Social Hackathon 2019: 24 Stunden gegen den Spaghetti-Code

20. Februar 2019 /

Code schreiben kann etwas sehr soziales sein. Die New Austrian Coding School, vormals refugees{code}, beweist gerne, dass diese Komponente beim Programmieren dazu gehört: Ihr Social Hackathon 2019 fand von 16. bis 17. Februar zum dritten Mal statt. Sozial deshalb, weil die 70 TeilnehmerInnen an einem Strang ziehen mussten, um ideale Lösungen für die Probleme zu finden, die ihnen aufgetragen wurden. Dafür hatten sie insgesamt 24 Stunden Zeit und die wurde von den meisten auch vollständig genutzt – ohne Schlaf. Die Teams aus Neulingen, Alumni der New Austrian Coding School und Experten mussten sich ihre Energie clever einteilen. Am Sonntagmorgen des Social Hackathon 2019 blickte man verständlicherweise in extrem müde, aber auch extrem glückliche Gesichter: Es war nicht einfach, aber sie haben es alle geschafft.

Social Hackathon 2019
T-Mobile Erholungsoase


Communications Manager Phillip Emberger hatte vor allem Spaß an der Veranstaltung: „Ich bin immer wieder fasziniert von der Stimmung, die im Raum herrscht. Eine ganz spezielle Mischung der Vorfreude und der Ungewissheit, was da auf einen zukommt. Für uns ist das immer sehr schön zu sehen, wenn so eine Veranstaltung lebendig wird und Menschen beginnen zu arbeiten.“ Mit dem neunköpfigen Kernteam und vier externen Helfern sorgten sie dafür, dass die Veranstaltung planmäßig und reibungslos ablief. T-Mobile war wieder als Sponsor beim Social Hackathon 2019 dabei und sorgte mit Liegestühlen, bequemen Sitzsäcken und einem reichhaltige Frückstücksbuffet für Eholung der Crew und TeilnehmerInnen.

Clean Code gesucht Social Hackathon 2019!

Die drei Challenges, denen sich die TeilnehmerInnen stellen mussten, waren fordernd und auch für die Experten nicht einfach zu lösen. Unter anderem sollte der Code für die Arcade-Klassiker Pac-Man oder Space Invaders verbessert werden. Paulius ist mit seinem Team auf Platz zwei gelandet und konnte vor allem Ressourcenmanagement lernen: „Ich habe gemerkt, dass es nicht sinnvoll ist, sich alle Ressourcen bis zum Schluss aufzuheben. Wir hatten die Möglichkeit, mit einem Joker zusätzliche Experten hinzuzuziehen und haben uns diese Option bis zum Schluss offen gehalten, anstatt sie zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen.“ Die Taktiken waren dabei von Team zu Team verschieden. Während die einen zu dritt Task für Task an einem Laptop abarbeiteten, teilten sich die anderen die drei Challenges auf.

Social Hackathon 2019
Das Gewinner-Team: Moustafa Mashta, Serife Ergüner, Ismael Alhussein Alali (c) Phillipp Annerer

Eigentlich ging es jedoch nicht nur um das einfache Lösen der Aufgabe. Der Code, den die TeilnehmerInnen produzierten, musste vor allem klar und sauber sein – Clean Code also. Sogenannter „Spaghetti“-Code, besonders verworrener, schlecht lesbarer Code, sollte vermieden werden. Das ist nicht nur reine Fingerübung, sondern im Berufsleben gefordert. Wer sauberen Code schreibt, macht sich und anderen das Leben leicht, das weiß jeder, der schon mal programmiert hat. Unter diesem Kriterium wurden am Sonntag, 17. Februar, die Gewinner des dritten Social Hackathons von der Jury ermittelt. Gewonnen hat, wer den saubersten Code einreichte: Moustafa Mashta, Serife Ergüner, Ismael Alhussein Alali hatten die stärksten Nerven und konnten sich über Preise im Wert von 2000 Euro freuen. „Ich bin Mathematikerin, deshalb liebe ich es, Aufgaben zu lösen. Wir haben sehr gut miteinander gearbeitet und hatten sehr viel Spaß zusammen,“ erklärt Serife glücklich.

Die Frauenquote wächst!

Serife ist eine von elf Frauen, die heuer am neunmonatigen Kurs der New Austrian Coding School teilnehmen – eine Quote von etwa 40 Prozent und eine deutliche Steigerung zum Vorjahr, als nur drei Frauen teilnahmen. Das Thema ist Stefan Steinberger, Gründer der New Austrian Coding School, sehr präsent: „Mehr Frauen in die Branche zu bringen ist natürlich auch für uns ein wichtiges Thema. Im vergangenen Kurs gab es eine Frau, für die es das Wichtigste war zu erkennen, dass sie gleich viel wert ist wie ein Mann. Das ist eine wahnsinnige Aussage.“

Steinberger möchte in Zukunft verschiedenen Gruppenformate testen. Dabei spielt auch das Alter keine Rolle, denn im aktuellen Kurs reicht die Spanne von 17 bis über 50 Jahren. „Uns geht es darum, Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren – wer das ist, ist uns egal,“ so Steinberger. Er kann sich gut vorstellen, bald Müttern mit Kleinkindern, Schulabbrechen und unentschlossenen MaturantInnen einen Platz anzubieten. Der Sprung vom Fokus auf geflüchtete Menschen hin zu allen Arbeitssuchenden in Österreich ist bereits mit der Umbenennung der Firma und dem aktuellen Kurs getan.

Social Hackathon 2019
Wer 24 Stunden programmiert, darf sich eine Pause gönnen! Credit: Phillipp Annerer

Aber: Die Plätze für den Kurs sind begrenzt. Die BewerberInnen müssen viel Motivation mitbringen, so Steinberger: „Unsere Auswahlkriterien sind sehr streng. Wir haben begrenzte Mittel und das Schlimmste was uns passieren kann ist, wenn jemand den Kurs nicht bis zum Ende macht. Damit wird jemand anderem die Chance weggenommen.“ Nach der Online-Bewerbung gilt es Sprach-, IQ und Motivationstests zu bestehen, gefolgt von einem Assessment-Center. Die Abbruchquote für KursteilnehmerInnen liegt aktuell bei glatten 0 Prozent und durch die strenge Auswahl soll das beibehalten werden.

Vorbereitung auf Berufsleben

Der Kurs ist für die TeilnehmerInnen natürlich nur die halbe Miete. Nach den neun Monaten geht es ab auf den Arbeitsmarkt. „Der Bedarf an ProgrammiererInnen ist sehr hoch und 95 Prozent unserer AbsolventInnen haben bisher einen Job gefunden“, zieht Philipp Emberger Bilanz. Der Social Hackathon 2019 markiert den Mittelpunkt der Ausbildung, in der vom Erlernen der Grundlagen in die Spezialisierungsphase übergegangen wird. Erste Kontakte zu Alumni und ExpertInnen werden geknüpft – auch wenn es sich nicht um eine Jobbörse handelt. Für Emberger ist klar: „In ein paar Monaten ist unser Kurs wieder vorbei und wir wollen allen einen Einstieg ins Berufsleben ermöglichen. Wenn sie hier lernen, wie ProgrammiererInnen im Job denken, dann ist das ideal.“ Der nächste Kurs startet im Herbst 2019, alle Infos dazu gibt es auf der Website der New Austrian Coding School. T-Mobile unterstützt seit 2016 die Initiative mit mobilen Breitbandinternet.

Verfasst von
Franziska Bechtold arbeitet in der Monopol-Redaktion und verbringt ihre Freizeit schon immer gern in Digitalen Welten: Videospiele, SmartDevices und technologischer Fortschritt sind feste Bestandteile ihres Alltags. Blogt als elektro-uschi.at

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