Apps können gute Musiklehrer sein

27. Dezember 2018 /

Oft stellt die Blockflöte, die nach nur einem Jahr mehr oder weniger konsequenten Übens dann doch ganz einfach im letzten Eck des großen Wandregals landete, die letzte Erinnerung an die eigenen musikalischen Ambitionen dar. Von vielen Kindern wird die Notwendigkeit zu üben eher als Zwang wahrgenommen und das Musikinstrument als ein die eigene kindliche Freiheit einschränkendes Werkzeug abgestempelt. Sind erstmal einige Jahre oder sogar Jahrzehnte vergangen, nachdem der Weg zur Musikschule zum letzten Mal absolviert wurde, kommt häufig Reue auf – man wünscht sich doch irgendetwas zu Ende gebracht zu haben oder etwas mehr als den Flohwalzer am Klavier spielen zu können.

Die Möglichkeit auch im Erwachsenenalter eine Musikschule aufzusuchen und dort anzuknüpfen, wo man als Volksschulkind aufgehört hat, besteht natürlich – die eigene Hemmschwelle hält einen jedoch häufig dann doch davon ab. Hochentwickelte Apps machen es möglich die ersten Übungssequenzen auch von zu Hause aus absolvieren zu können. Nicht nur das tatsächliche Spielen von Instrumenten kann so erlernt werden, sondern auch das Notenlesen und das Stimmen von Instrumenten. Wichtig ist dabei, dass die Apps vor allem für die ersten Gehversuche herangezogen werden. Bei steigender Komplexität kann es sinnvoll sein die App irgendwann durch richtigen Unterricht und einen Musiklehrer oder eine Musiklehrerin zu ersetzen.

Uberchord – Spielerisch Gitarre lernen

©Pixabay

Egal ob elektrisch oder akustisch – bei Uberchord steht die Gitarre im Mittelpunkt. Je nach Level bietet die App unterschiedliche Programme an – auch als totaler Anfänger kommt man hier auf seine Kosten und wird mit allen notwendigen Basics ausgestattet. Die App arbeitet außerdem mit einem integrierten Fortschritt-System – evaluiert also laufend die eigenen Fähigkeiten. Deshalb ist es auch nur durch ausreichend Übung und gutes Spielen möglich, neue Ränge und somit auch neue Aufgaben freizuschalten. Der eigene Ehrgeiz wird durch das  workout-ähnliche Modell ständig bei der Stange gehalten. Täglich werden neue Ziele formuliert, die es zu erreichen gilt. Je nachdem welche Abo-Variante gewählt wird, sind bis zu 170 Songs enthalten. Darunter befinden sich nicht nur Klassiker, sondern auch viele neue Werke. Die Basisversion ist kostenlos für iOS erhältlich. Für das zusätzliche Abomodell müssen mitunter bis zu 14,99 Euro monatlich hingelegt werden.

SimplyPiano – Sich herantasten

Jene Aufgabe die Ubercord für die Gitarre erfüllt, übernimmt die App SimplyPiano für das Klavier. Obwohl sich auch hier Übungen für alle unterschiedlichen Niveaus finden, profitieren all jene, die sich vielleicht sogar zum ersten Mal an ein Klavier setzen am allermeisten von der App. Ein übersichtliches Grundlagentraining macht es möglich eine solide Basis für weitere Übungssequenzen zu schaffen. Zur Basisarbeit zählt natürlich auch das Lesen von Notenblättern und das Training der richtigen Fingertechnik. Das Musik-Repertoire der App dürfte wohl bei allen Geschmäckern Zufriedenheit auslösen, denn es reicht von One Republic bis zu den wichtigsten Werken der Klassik. Die App setzt ein bereits vorhandenes Instrument zwar nicht voraus, die Arbeit mit der App wird dadurch aber deutlich fruchtbarer. Ist kein Piano und auch kein Keyboard vorhanden, ist es aber auch möglich auf virtuellen Tasten zu spielen. SimplyPiano ist kostenlos für Android und iOS erhältlich. Möchte man die Premium-Variante nutzen, sollte man bereit dazu sein bis zu 100 Euro im Jahr dafür zu zahlen.

Yousician – Die App für Fans der Ukulele

Die App Yousician konzentriert sich nicht auf ein Musikinstrument, sondern auf mehrere: Klavier, Gitarre, Bass und Ukulele können mit der App erlernt werden. Die App wurde von Lehrern mitentwickelt und möchte das gesamte Spektrum abdecken, das beim Erlernen eines Musikinstruments wichtig ist. Hier gehört zunächst natürlich auch das Stimmen des Instruments dazu. Weil die Oberfläche sehr übersichtlich ist, werden auch Anfänger nicht abgeschreckt. Die App punktet dabei auch mit jeder Menge Feedback zu Fehlern. Der dafür vorgesehene „Practice Mode“ macht es möglich an den eigenen Fehlern zu arbeiten, während man in Echtzeit Feedback zu Problemen und Fehlerquellen erhält. Wie bei den beiden anderen Apps wird der Fortschritt getrackt, wodurch die eigenen Fähigkeiten ständig verbessert werden können. Die Basisversion ist für Android und iOS kostenlos verfügbar. Je nach Bedarf kann auch eine Premium-Version erworben werden, die bis zu 180 Euro im Jahr kosten kann.

Fretello – die österreichische Lern-App

©Fretello

Die Lern-App Fretello wurde von den beiden Linzer Gründern Wolfgang Damm und Florian Lettner ins Leben gerufen. 75.000 Nutzer haben sich bereits registriert. Einige davon leisten sich sogar die Premium-Version, die zehn Euro im Monat, beziehungsweise 100 Euro im Jahr, kostet. Wie Wolfgang Damm in einem Interview mit Trending Topics erklärt, liegt die Stärke der App vor allem darin, dass sie durch Zuhören das optimale Übungstempo für den Nutzer oder die Nutzerin herausfindet. Die App hält diese dazu an, nicht einfach Songs auf der Gitarre nachzuspielen, sondern möchte ihnen stattdessen Muster beibringen, die dann die Basis für weitere Griffmuster bilden. Anstatt aufs Handydisplay zu starren, sollen die angehenden Gitarristen und Gitarristinnen auf den Takt hören und dann dazu spielen. Hält man sich an den Übungsplan der App, sollten drei Übungseinheiten zu je 20 Minuten pro Woche eingeplant werden. Die App ist für Android und iOS verfügbar.

Verfasst von
Sarah Wetzlmayr ist Redakteurin und meistens irgendwo an der Schnittstelle zwischen Netzkultur und Hochkultur zu finden. Virtual Reality, Smart-Devices und Apps prägen deshalb nicht nur ihren Arbeitsalltag, sondern auch ihre Freizeit.

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