Prewave, Synfioo und Co – wenn Start-ups Katastrophen vorhersagen

14. November 2018 /
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Wenn es nicht darum geht, dass dieses eine, aus dem Sprichwort bereits gut bekannte Fahrrad in China wieder einmal umgefallen ist, sondern um einen herannahenden Tornado in Florida oder Streiks in internationalen Unternehmen, ist diese Nachricht sofort Teil sämtlicher Online-Netzwerke. Ein Umstand, den sich einige Apps, Netzwerke und Start-ups zunutze machen, um daraus drohende Risiken für Unternehmen herauszufiltern und so mögliche Katastrophen vorhersagen zu können. Dafür werden soziale und lokale Netzwerke durchleuchtet und die vorliegenden Daten anschließend analysiert und dann transparent gemacht. Hier soll es vor allem darum gehen, Prognosen zu stellen, die potenzielle Probleme für Unternehmen frühzeitig erkennbar machen – plötzlich auftretende Schwierigkeiten in der Lieferkette oder Probleme bei Investitionsentscheidungen sollen durch das Durchforsten dieser Netzwerke und durch smarte Filtermethoden, die sich hauptsächlich auf maschinelles Lernen stützen, also rechtzeitig abgefangen werden. Sofern es gelingt hier nichts durchrutschen zu lassen, soll das digitale Abbild unserer Welt also dafür sorgen, dass das Bild unserer realen Welt nicht schiefer hängt als notwendig. Unter den Start-ups, die bereits mehr als nur erste Schritte in diese Richtung unternommen haben, findet sich auch ein Projekt aus Wien.

Prewave. Ein Warnsystem aus Wien.
Den GründerInnen des Wiener Start-ups geht es vor allem darum, lokale Risiken aus dem Sozial- und Umweltbereich auch für globale Unternehmen sichtbar zu machen. Genutzt werden dafür ausschließlich Daten, die öffentlich zugänglich sind und aus Online-Netzwerken und lokalen Medien stammen. Die vom Prewave-Team entwickelten Algorithmen arbeiten nach den Prinzipien maschinellen Lernens – sie müssen also zuerst in verschiedenen Sprachen fit gemacht werden, lernen dann aber selbst dazu. Prewave hat sich aus Forschungen der TU Wien entwickelt, seitdem geht es zügig voran. So zählen zu den Kunden des Start-ups beispielsweise auch große Automobilhersteller und Banken. Zu den Aushängeschildern des Unternehmens unter anderem auch das Nachhaltigkeits-Screening, das es möglich macht, Zulieferer und Investitionsprojekte danach zu überprüfen, wie es um ihre Umwelt- und Sozialrisiken bestellt ist. Drohen also beispielsweise Überschwemmungen oder Streiks, können Umleitungen von Lieferungen rechtzeitig veranlasst werden. Damit soll aber nicht nur präventiv gegen finanzielle Risiken vorgegangenen werden, sondern auch gegen mögliche Shitstorms. Um die Kunden zu schützen, werden nur Meldungen weitergegeben, die dem Code of Ethics des Start-ups entsprechen – „Wir wollen Vorkehrungen treffen, dass die Technik für Gutes eingesetzt wird.“

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Synfioo. Staus und Störungen smart umfahren.
Beim Potsdamer Unternehmen steht die Planungssicherheit an oberster Stelle. Hier konzentriert man sich darauf reibungslose Abläufe zwischen Lieferanten, Produzenten und Abnehmern sicherzustellen. Das Start-up braucht dafür nur ein verhältnismäßig kleines Bündel an Informationen: Start- und Endpunkt einer Lieferung, sowie Zwischenhalte und die Startzeit. Über Big Data-Technologien ermittelt die Synfioo-Software dann alle möglichen Störeinflüsse, die sich negativ auf den Transport auswirken könnten und errechnet daraus auch die tatsächliche Ankunftszeit. Die Software übermittelt dann sämtliche Störungsinformationen an alle involvierten Transportpartner. Die Synfioo-Kunden erhalten so immer alle wichtigen Informationen, die für eine effiziente und zuverlässige Zeitplanung notwendig sind. Das Start-up ist aus einem Forschungsprojekt entstanden und entwickelt sich stetig weiter.

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Climacell. Wetterberichte in HD.
Das Bostoner Unternehmen Climacell geht einen ganz anderen Weg und versucht über genaueste Wettervorhersagen, Katastrophen und Störungen zu vermeiden. Was nach purem Wetterbericht klingt, ist allerdings sehr viel mehr. Solch ein großer Schritt nach vorne gelingt nämlich nicht etwa mit einer Steigerung der Sensoren und Radarsysteme, sondern mithilfe des zellularen Datennetzwerks. Die Climacell-Software misst wie und in welcher Weise das Wetter unsere Datennetzwerke stört und beeinflusst. Daraus ergeben sich sozusagen Wetterberichte in HD. Solch präzise Informationen über aktuelle, zukünftige oder historische Wetterlagen helfen den Betreibern von Fluglinien, den Betreuern großer Baustellen, aber auch Eventveranstaltern Einsätze effizienter zu planen und damit finanzielle Risiken zu minimieren. So vertraut beispielsweise die amerikanische Airline JetBlue auf die Zusammenarbeit im Climacell und erhofft sich dadurch 25 000 bis 50 000 Us-Dollar monatlich einsparen zu können. Die Software hilft den Airline-Betreibern beispielsweise dabei genauer abschätzen zu können, wann ein Flug – aufgrund der Wetterlage – tatsächlich gestrichen oder verschoben werden muss. Aktuell stehen die Daten nur flächendeckend für die USA zur Verfügung – in Zukunft möchte man die Wetterberichte in HD jedoch weltweit flächendeckend anbieten können.

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Sarah Wetzlmayr ist Redakteurin und meistens irgendwo an der Schnittstelle zwischen Netzkultur und Hochkultur zu finden. Virtual Reality, Smart-Devices und Apps prägen deshalb nicht nur ihren Arbeitsalltag, sondern auch ihre Freizeit.

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