Augmented Reality zwischen Vision und Realität

28. September 2018 /
Credit: Magic Leap

Als 2014 Google Glass kurz vor seiner Veröffentlichung zurückgezogen wurde, schien der Markt für Augmented Reality Brillen tot. Während VR-Brillen sich schon breiter Beliebtheit bei Konsumenten erfreuen, bleibt die erweiterte Realität noch immer auf der Strecke. Nun hat der Hoffnungsträger Magic Leap seine erste Brille zum Verkauf bereitgestellt.

Augmented Reality ist eine Zukunftsvision
Das dreiteilige Set besteht aus der Brille, einem Mini-Computer (dem Lightpack) und einem Controller, der denen von HTC Vive und Oculus Rift nicht unähnlich ist. Am ehesten tritt Magic Leap damit in Konkurrenz zu Microsofts Hololens. Die kostet mit 3000 Dollar aktuell deutlich mehr und besitzt ein wesentlich kleineres Sichtfeld als die Magic Leap. Das Sichtfeld ist dabei der Bereich in der Brille, der tatsächlich etwas anzeigt, der Rest der Brille ist einfach nur durchsichtig. Daher ist das 50 Grad Sichtfeld der Magic Leap zwar auch keine Offenbarung, hat anderen Produkten jedoch trotzdem einiges voraus. Das ambitionierte Versprechen von tatsächlicher „Mixed Reality“ kann die Brille mit ihren sehr künstlich wirkenden Animationen aktuell noch nicht einlösen.

Die Kreativität und Vision der Schöpfer mag richtungsweisend sein, wird jedoch durch technische Schranken noch stark ausgebremst. Die größte Herausforderung ist es, genug Technik in der Brille zu verbauen, um sie langlebig und leistungsstark zu machen. Die Displays sollen im Idealfall das komplette Sichtfeld abdecken, kontrastreich, hell und scharf sein, um eine fehlerfreie Darstellung zu garantieren. Was dafür notwendig ist, passt leider noch nicht in eine tragbare Brille. Magic Leaps Fortschritt kommt mit einem Minicomputer, den man an die Hose klemmen muss und einem Controller, um überhaupt den Anforderungen gerecht zu werden – und trotzdem bleibt das versprochene Wunderkind hinter den Erwartungen zurück.

Smart Glasses Technologie ist noch nicht marktreif
Während solche futuristischen Brillen allein durch ihre Größe weniger Privatverbraucher als die Industrie ansprechen werden, bäumen sich immer wieder Unternehmen auf, die sich an Smart Glasses versuchen. Die unscheinbaren Varianten der Datenbrille, versteckt im schmalen Rahmen einer Hornbrille, sollen Nachrichten, Wegbeschreibungen, Einkaufszettel und Rezepte anzeigen, ohne dass man beim Tragen aussieht wie ein Cyborg. Unauffällig und subtil sollte vor allem Intels Vaunt werden.  Die Smartbrille wurde erst im Februar 2018 getestet, nur um die Produktion im April wieder einzustellen. Trotz vielversprechender Bewertungen wurde hier ein weiteres Ringen um den richtigen Markt, Sponsoren und Partner verloren. Am längsten hält sich Google Glass im Gespräch. Nach den herben Rückschlägen 2014 soll das Modell 2.0 nun Unternehmen ansprechen und mit Tutorials und Informationen in Echtzeit die Produktivität der Mitarbeiter steigern.

Augmented Reality Brillen könnten die Welt neu gestalten
Tatsächlich wird es noch einige Jahre dauern, bis eine Brille auf den Markt kommt, die nicht nur preislich, sondern auch technisch hält, was die faszinierenden Videos auf Youtube versprechen. Während parallel bereits die Kontaktlinse als Trägermedium erprobt wird und damit die klobige Brille direkt überspringt, scheint man abseits von industrieller Nutzung noch wenige Ideen zu haben, wie man den Massenmarkt vom Produkt überzeugen soll. Momentan bleibt die Augmented Reality noch auf dem Smartphone und Tabletbildschirm gefangen. Vor allem Spiele wie Pokemon Go erfreuen sich großer Beliebtheit.

Trotz der langsamen Entwicklung und der immer wieder aufkeimenden Frage, wie praktikabel diese Datenbrillen wirklich sind, hält sich die Hoffnung, sie könnten irgendwann das Smartphone ersetzen und die Umwelt komplett neu gestalten. Durch Geopositionierung können Fassaden zum Leben erweckt werden und digitale Bildschirme Werbeflächen ersetzen. Die Menschen könnten in eine immer stärker individualisierte Welt eintauchen, die einzig durch die Brille zum Leben erweckt wird – ob diese Vision Wirklichkeit wird, steht und fällt mit der Entwicklung tatsächlich praktikabler Brillen.

Verfasst von
Franziska Bechtold arbeitet in der Monopol-Redaktion und verbringt ihre Freizeit schon immer gern in Digitalen Welten: Videospiele, SmartDevices und technologischer Fortschritt sind feste Bestandteile ihres Alltags. Blogt als elektro-uschi.at

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