Wie Eltern die Screenzeit ihrer Kinder einschränken können

31. August 2018 /
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Falls die mahnende Erinnerung daran, dass die Augen bei übermäßigem Fernsehen, Computer oder Playstation spielen irgendwann eine rechteckige Form annehmen, jemals funktioniert hat, so tut sie das mittlerweile garantiert nicht mehr. Zahlreiche vor dem Bildschirm verbrachte Sonntagnachmittage haben das Gegenteil bewiesen – das mit dem Zocken, Schauen und Chatten bleibt für viele Kinder und Jugendliche eine runde Sache. Viele Eltern stehen der favorisierten Freizeitbeschäftigung ihrer Kinder natürlich skeptisch gegenüber. Nicht selten verwandelt sich diese Skepsis rasch in Besorgnis und Verzweiflung und kurz darauf möglicherweise auch in Hilflosigkeit und Resignation. Was bleibt denn schließlich noch, wenn das rechteckige Auge als grausam drohendes Bild nicht mehr ausreicht, weil die junge Smartphone-Generation durch ihre täglichen virtuellen Ausflüge in die Welt der Riesen, Aliens und Straßenkämpfer sowieso schon total abgestumpft ist? Wegnehmen, würde man meinen – doch wie durch einen Zauber bedingt, entsteht an jener Stelle an der sich vorher das Smartphone befunden hat, dann plötzlich ein Tablet. Schließlich gibt es in den meisten Haushalten genug Bildschirme, da kann man auf das ein oder andere Gerät schon mal verzichten. Die Geräte sind nun mal da, so viel ist klar – sie ganz aus dem Haushalt zu verbannen deshalb auch eigentlich keine Option. Trotzdem wünschen sich viele Eltern, dass ihre Kinder doch mal wieder in eine Welt abtauchen würden, die nicht direkt vor ihren Augen über einen kleinen Bildschirm flackert. Ein Buch wäre ein sinnvoller Gegenvorschlag oder ein Ausflug in die Natur oder zumindest in den am Ende der Straße gelegenen Park. Möchte man die mit der Wohnzimmercouch verwachsenen Jugendlichen nach draußen locken, ist Erfindergeist gefragt – oder man findet einfach die richtigen Apps, die dabei helfen können die Screenzeit der Generation „digitaler Guckkasten“ einzuschränken. Die Möglichkeiten sind vielfältig – ein paar davon haben wir hier aufgelistet:

Weniger Bildschirme für mehr Lebens- und Lesezeit. Die Anzahl der Bildschirme zu reduzieren klingt zwar einfach, ist aber leider oft nicht ganz so einfach durchführbar. Ein erster wichtiger Schritt kann sein, erst gar keinen Fernseher in das Schlafzimmer des Kindes zu stellen. Studien haben ergeben, dass Kinder und Jugendliche, die einen Fernseher in ihrem Schlafzimmer haben, um etwa 1,5 Stunden länger fernsehen als jene die keinen eigenen Fernseher haben.

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Mit gutem Beispiel vorangehen. Die Story mit den rechteckigen Augen wird noch etwas unglaubwürdiger, wenn die Eltern selbst den ganzen Tag ins Smartphone oder Tablet starren. Die Glaubwürdigkeit steigt jedoch wieder, wenn sich auch sie sich hin und wieder bewusst dazu entscheiden sämtliche Devices wegzulegen und zu einem Buch greifen. Besonders bei gemeinsamen Aktivitäten ist es wichtig, die gesamte Aufmerksamkeit dem Kind zukommen zu lassen und sich nicht durch die Klänge des plötzlich verheißungsvoll dudelnden Smartphones wieder von ihm abzuwenden.

Bringt Bewegung ins Familienleben. Bewegung ist wichtig – das sollte nicht nur der Turnlehrerin oder dem Turnlehrer, sondern auch den Eltern bewusst sein. Konzentrations- und Schlafprobleme nehmen ab, wenn sich  Kinder ausreichend bewegen. Den muffigen Jugendlichen deshalb gleich in drei verschiedenen Sportvereinen anzumelden, ist jedoch bestimmt auch nicht der richtige Zugang. Auch hier gilt eher: Als gutes Vorbild lässt sich so einiges bewegen. Spielzeuge und Sportgeräte, wie Trampolins oder Skateboards können aber auch einen Teil dazu beitragen.

Alles ist planbar. Einen Mediaplan für die ganze Familie zu erstellen, kann durchaus hilfreich sein. Außerdem ist vielen Medien ein verbindendes Moment sowieso nicht abzusprechen, weshalb es sinnvoll sein kann gemeinsame Film- oder Gaming-Abende hier einzutragen und auch einzuhalten. Warum nicht aber auch einen Plan dafür zusammenstellen, welche anderen Aktivitäten in einer bestimmten Woche so anstehen. Gemeinsame Ausflüge, Radtouren oder auch einfach nur ein kleiner Abstecher zum Eissalon können hier eingetragen werden. Schließlich spielt jede Familie nach ihren eigenen Regeln und sollte sich deshalb niemals an einen standardisierten Plan halten.

Apps – die kleinen Helfer

Mit den Apps, die dabei helfen können die Screenzeit der Kinder und Jugendlichen einzuschränken, ist es in etwa so, wie mit einer klassischen Diät – wer sich ausschließlich darauf verlässt, weniger zu essen, dem wird es nur schwer gelingen, die gewünschten Erfolge zu erzielen. Es gehört schließlich deutlich mehr dazu als der pure Verzicht. Genauso ist es mit den unten aufgelisteten Apps – sie können zwar unterstützend auf das Vorhaben die Bildschirmzeit der Kinder einzuschränken, wirken, man sollte jedoch auf all die anderen Punkte nicht vergessen und versuchen ein Umfeld zu schaffen, dass diese Einschränkung einfacher werden lässt. Nicht alle Apps funktionieren auf exakt die gleiche Weise und nicht alle davon führen gleich dazu, dass die Kinder plötzlich nur noch schwarz sehen. Das sind die beliebtesten Apps:

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Screen Time. Der Klassiker unter all den Elternaufsicht-Apps ist sowohl für iOS als auch für Android zu haben. Während die App in ihrer kostenlosen Variante nur wenig zu bieten hat, gibt es für 3,39 Euro pro Monat bereits ein Zeitlimit für die tägliche Nutzung, die Möglichkeit bestimmte Apps zu blockieren, wie auch die Option das Handy während Schlafens- und Schulzeiten überhaupt zu blockieren. (iOS, Android)

FamilyTime. In ähnlicher Weise funktioniert auch die App FamilyTime. An erster Stelle steht dabei die Möglichkeit zur Zeitbegrenzung, die vor allem verhindern soll, dass die Kinder während ihrer Lern- und Hausaufgabenzeiten von ihren Smartphones abgelenkt werden. Zusätzlich gibt es auch Bettzeit-Steuerelemente, mithilfe derer sich die Bildschirmzeit während der Nachtstunden beschränken lässt. Die App bietet außerdem die Möglichkeit der Standortverfolgung und sogar Geofencing an. Wie auch bei der App Screen Time lassen sich hier bestimmte Apps auch ganz einfach blockieren. Nur für Android.

DinnerTime. Familienzeit ist die schönste Zeit? Viele Kinder sehen das etwas anders. DinnerTime ist eine App, die Kindern und Jugendlichen einen kleinen Teil dieses Gefühls zurückgeben möchte. Dafür wird das Smartphone oder Tablet der Kinder ganz einfach mit der Device der Eltern gepaart und kann für bestimmte familienbezogene Anlässe gesperrt werden. Die App gibt es für Android und iOS.

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Verfasst von
Sarah Wetzlmayr ist Redakteurin und meistens irgendwo an der Schnittstelle zwischen Netzkultur und Hochkultur zu finden. Virtual Reality, Smart-Devices und Apps prägen deshalb nicht nur ihren Arbeitsalltag, sondern auch ihre Freizeit.

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