Die smarte Stadt – So sieht die intelligente Stadt der Zukunft aus

20. August 2018 /

Ging es in den vergangenen Jahren um die Entwicklung moderner Städte, tauchte der Begriff „Smart City“ regelmäßig als Buzzword auf. Die Idee dahinter klar einzugrenzen, fällt allerdings auch heute noch schwer. Auch wenn es dabei stark um Konzepte geht, die den Alltag in der modernen Großstadt erleichtern sollen, so sollte man sich dennoch nicht erwarten, dass die Stadt einem plötzlich das Denken und korrekte Handeln abnimmt. Auch in der hochintelligenten Stadt gilt es immer noch nach links und rechts zu schauen, bevor man eine Straße überquert. Auch wenn diese vielleicht nicht mehr von Autos, sondern von sogenannten Taxibots befahren wird (selbstfahrende Roboter-Autos). Beim Nachdenken über die Smarte Stadt gleich beim Roboter anzusetzen, entspricht der Entwicklung moderner Großstädte natürlich nicht ganz. Digitalisierungsprozesse müssen langsam wachsen und setzen erstmal bei ganz alltäglichen Dingen, wie der Beleuchtung, an. Laternenmasten bieten beispielsweise gleich ein ganzes Bündel an Möglichkeiten, ihre bisherigen Funktionen zu überdenken, beziehungsweise so auszuweiten, dass sie sich ans moderne Stadtbild der vernetzten Stadt anpassen. Die Lichtintensität, mittels Sensoren an den Masten, automatisch an die Umgebung anzupassen, könnte eine Option für eine solch intelligente Weiterentwicklung sein. In Hamburg kommen solche Technologien sogar schon erfolgreich zum Einsatz

©Pixabay

In einem weiteren Schritt könnte es, je nach Stromnetzausbau der Stadt, sogar möglich sein, hier Ladestationen für Elektrofahrzeuge einzurichten oder die Laternenmasten mit WLAN-Sendern auszustatten, damit sie als WLAN-Hotspots eingesetzt werden können. Flächendeckendes WLAN gilt ohnehin als eine der Grundprämissen der smarten Stadt. Alle ständig im Kreis fahrenden Parkplatzsucher wird es besonders freuen, dass auch schon darüber diskutiert wurde, die Masten so auszustatten, dass sie freie Parkflächen anzeigen können. Besonders großes Digitalisierungspotenzial bieten natürlich auch viele andere Verkehrskonzepte, die der Verkehrsinfrastruktur einer Stadt zugrunde liegen. Das könnte von Fahrschein-Apps, die starre Tarifsysteme obsolet machen, bis hin zu einer Echtzeitverarbeitung von Verkehrsströmen und Verkehrsstörungen führen, die eine optimierte Verkehrsflusssteuerung und erste Schritte einer digitalen Parkraumbewirtschaftung möglich macht. Als dritter großer Bereich, der von Digitalisierungsmaßnahmen profitieren könnte, kommt einem natürlich sofort der Verwaltungsapparat in den Sinn. Hier wird es in erster Linie darum gehen, Verwaltungsleistungen online zugänglich zu machen und den BewohnerInnen damit Wege zum Amt zu ersparen. Außerdem sollen neue Wege der Partizipation möglich gemacht werden.

Erst smarte BewohnerInnen machen auch die Stadt smart

Ein sauberes, leises, sicheres und grünes Umfeld – so könnte die Stadt der Zukunft aussehen, wenn sich all diese Dinge so smart ergeben würden. E-Autos regulieren ihr Tempo vor Schulen und Kindergärten selbstständig und Apps sorgen dafür, dass allen BewohnerInnen der CO2-ärmste Weg zu ihrem Arbeitsplatz angezeigt wird. Noch klingt das alles ein wenig nach utopischem Zukunftsgeplänkel. Setzt man direkt an der Basis an, wird es bei der Smart-City-Entwicklung vor allem darum gehen, in den Bereichen Energie, Verkehr und Datenverarbeitung, diese Daten mit aktuellen Technologien zu verknüpfen. Wie aus dieser Einschätzung schon hervorgeht, spielt im Gesamtkonstrukt „Smart City“, das Thema Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle. Staus und endloses Parkplatzsuchen sollen schließlich nicht nur Nervenkostüm und Zeitbudget der AutofahrerInnen schonen, sondern auch die Umwelt. In einem Interview mit der FAZ erklärt der Referatsleiter für Digitale Stadt des BBSR (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung), Peter Jakubowski, dass das zentrale Anliegen der Stadtentwickler jenes sein wird, bestehende Datenbestände zu vernetzen und damit das Leben der BewohnerInnen zu verbessern, ohne damit gleich eine Stadtmaschine im Stil George Orwells zu bauen. Um einen für ihn besonders positiven Ansatz herauszustreichen, erwähnt er die dänische Hauptstadt Kopenhagen, die ebenjene Digitalisierungsstrategien nutzen möchte, um dem Ziel der Klimaneutralität bis 2025 möglichst nahe zu kommen.

©Capankajsmilyo CC BY-SA 4.0

Als zentrales Element fungieren Sensoren, die an Laternen, aber auch in der Nähe von Kanälen und Abfallbehältern, angebracht wurden und die Lärm, Luftverschmutzung, Kohlendioxidemissionen und Abfallmengen erfassen sollen. Wie sich die Menschen durch die Stadt bewegen wird ebenfalls aufgezeichnet und die gesammelten Daten anschließend anonymisiert an die Stadtplaner übertragen. Der Wert dieser Bestrebungen liegt also nicht in den Digitalisierungsprozessen selbst, sondern ganz klar darin, das Klimaziel zu erreichen. Daraus wird auch schnell klar, dass ein auf ein solches Ziel ausgerichtetes Smart-City-Konzept nicht dazu führt das Denken an die plötzlich hochintelligente Stadt abzugeben, sondern eher zum mit- und umdenken veranlasst. Obwohl – oder gerade weil – es bislang noch keine einheitliche Definition der intelligenten Stadt gibt, bieten solche Ansätze eine gute Orientierungshilfe. Bei all diesen Überlegungen ist aber auch zu beachten, dass gerade dann, wenn das Thema Datenschutz ins Spiel kommt, parallel zu den Digitalisierungsmaßnahmen auch umfangreiche Aufklärung betrieben werden sollte. Es ist wichtig die BewohnerInnen – ganz egal, sie in einer großen Stadt oder in einem kleineren Ort leben – in Entwicklungen solcher Art einzuweihen und ausreichend zu informieren. Dadurch kann verhindert werden, dass durch Veränderungen Ängste entstehen. Schließlich bringt es wenig, die Stadt schlau zu machen, die BewohnerInnen aber im Umgewissen zu lassen.

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Verfasst von
Sarah Wetzlmayr ist Redakteurin und meistens irgendwo an der Schnittstelle zwischen Netzkultur und Hochkultur zu finden. Virtual Reality, Smart-Devices und Apps prägen deshalb nicht nur ihren Arbeitsalltag, sondern auch ihre Freizeit.

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