Cyborg: Vom Mensch zum Supermensch

20. Juli 2018 /
Photo: xijian

Die Definition des Wortes Cyborg ist denkbar einfach: Es beschreibt ein Mischwesen aus Mensch und Maschine. Der Körper wird durch den Einsatz von Technologie verbessert oder angepasst. Dabei ist der Grad dieser „Vermischung“ aber nicht exakt definiert. Für manche reicht schon der Besitz eines Smartphones, um zum Cyborg zu werden. Für andere muss der Körper untrennbar mit der Maschine verschmelzen. Der erste offiziell anerkannte Cyborg ist der farbenblinde Künstler Neil Harbisson. Er hat eine Antenne auf dem Kopf mit der er Farben hören und sie durch Vibrationen spüren kann. Die Antenne, die er selbst nicht als Gerät, sondern als Organ beschreibt, nimmt Lichtwellen auf und leitet sie als Vibrationen an das Gehirn weiter.

Implantate: Datenchips und Heilung
Diese Art der Sinneserweiterung mag vielen eher ungewöhnlich vorkommen. Aber der Weg zum Cyborg muss nicht so weit sein: Implantate sind die neuen elektronischen Helfer unter der Haut. Winzige Datenchips, die Informationen speichern und austauschen, wie zum Beispiel eine digitale Visitenkarte. Diese kann ganz einfach via NFC an das Smartphone des Gesprächspartners weitergegeben werden. Was auf diesen Implanten gespeichert wird, ist den Nutzern überlassen: Von einfachen Websiteaufrufen, wenn man das Smartphone darüber hält, bis zum Öffnen elektronisch gesicherter Türen, ist vieles bereits möglich.

Nicht jeder hat allerdings die Wahl, auf elektronische Hilfe zurück zugreifen. Wer beispielsweise ein Hörgerät, Stents oder einen Herzschrittmacher braucht, schlüpft ganz ungewollt in die Rolle des technisch erweiterten Menschen und ist auf die maschinelle Verbesserung des Körpers angewiesen. Dabei können mitunter Leistungen erbracht werden, die ein normaler Körper nicht schafft. Hörgeräte können inzwischen Bluetooth nutzen, was es den Trägern erlaubt, sie via App zu steuern. Außerdem können sie einfach direkt mit Fernseher und Telefon verbunden werden, um den Ton unmittelbar auf das Ohr zu bekommen. Damit hören die Träger nicht nur gleich gut wie Menschen ohne Hörhilfe, sondern können in manchen Fällen sogar besser hören.

Aus Fiktion wird Realität

Ein Blick auf einen der großen Science-Fiction Helden lässt sofort an „Star Wars“ denken: Darth Vader mit seinem lebensrettenden Anzug, dessen schweres mechanisches Atmen berühmt wurde, kann ebenso als Cyborg bezeichnet werden wie der Held Luke Skywalker, der eine Roboterhand als Prothese bekommt. Sie steht einer echten Hand in nichts nach und ist nur optisch als mechanisch zu erkennen. Alles nur Fiktion? Weit gefehlt. Die Technologie für Prothesen wird zunehmend besser und individueller.

Benannt nach dem gleichnamigen Vorbild, entwickelte das Georgia Institute of Technology das „Skywalker Project“. Der erste Schritt war ein bionischer Arm, der es dem Drummer Jason Barnes ermöglichte, wieder Schlagzeug zu spielen – und das schneller als jeder andere Drummer der Welt. „Bionisch“ bedeutet: Die Technik wird biologischen Vorbildern nachempfunden. Normale Prothesen funktionieren über verschiedene Modi, die auf Knopfdruck eingeschaltet werden und Muskelbewegungen umsetzen. Sehr genau sind diese jedoch nicht, weshalb das Skywalker Project nun versucht, mit Ultrasound Technologie sogar einzelne Finger bewegen zu können, ohne dass an der Prothese selbst etwas aktiviert werden muss.

Evulution der Roboterarme
Auch andere Firmen setzen sich für die Weiterentwicklung von Prothesen ein. Eidos Montreal, eine Firma, die eigentlich Videospiele vertreibt, hat sich diesem Thema vor allem durch die inhaltliche Nähe zu einem ihrere beliebtesten Games angenommen. Ihre Spielereihe „Deus Ex“ spielt in einer Zukunft, in der Menschen durch mechanische Verbesserungen zu buchstäblichen Kampfmaschinen und Superagenten gemacht werden. Zusammen mit der britischen Firma Open Bionics brachten sie 2016 eine eigene Kollektion an Prothesen heraus, die mit der Veröffentlichung des neuesten Ablegers der Spielereihe, „Deus Ex: Mankind Divided“ offiziell erhältlich wurden. Entscheidend bei Open Bionics sind weniger die technologisch fortgeschrittenen Prothesen, sondern vielmehr, dass alle Prothesen schnell und günstig via 3D-Druck hergestellt werden können. Zudem möchten sie den Trägern Selbstbewusstsein und ein positives Körpergefühl geben.

In der Forschung an Prothesen hat man weiterhin viel vor: Sie möchten die Prothesen mit dem Gehirn verbinden und so nicht nur deren unmittelbare Steuerung ermöglichen, sondern auch Informationen wieder zurücksenden. Damit sollen Menschen, die beispielsweise einen Arm verloren haben, wieder Berührungen spüren können, wie das Händchenhalten mit einer anderen Person. Neben Prothesen sind auch Exoskelette ein wichtiger Helfer für Menschen mit Einschränkungen. „HAL“ ist solch ein robotischer Anzug, der vor allem in Altersheimen eingesetzt wird. Die Exoskelette ahmen den Skelettbau des Körpers nach und verstärken diesen. So soll zukünftig vor allem gelähmten und gehbehinderten Menschen ermöglicht werden, wieder zu gehen. Darüberhinaus werden Exoskelette für das Heben schwerer Lasten eingesetzt.

Ob nun Antenne, Roboterarm, Implantat oder doch nur die permantente Nutzung des Smartphones: Gesunde und Kranke Menschen greifen zunehmend auf technischen Fortschritt zurück. Dabei überholt die Technik die Natur so schnell, dass auch gesunde Menschen sich mit sogenannten „Biohacks“ beschäftigen. Sie versuchen durch Technik ihren Körper zu verbessern. Durch Smart Drugs, die Informationen aus dem Körper senden, oder Daten-Pillen, die Wissen an das Gehirn weitergeben, könnte in Zukunft durch das Schlucken einer Tablette auf den Körper Einfluss genommen werden. Der Mensch ist auf dem Weg zum Supermensch.

 

 

Verfasst von
Franziska Bechtold arbeitet in der Monopol-Redaktion und verbringt ihre Freizeit schon immer gern in Digitalen Welten: Videospiele, SmartDevices und technologischer Fortschritt sind feste Bestandteile ihres Alltags. Blogt als elektro-uschi.at

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