Künstliche Intelligenzen: Die Helfer im Alltag

06. Juli 2018 /
Photo: wigglestick

Beim Friseur anrufen oder einen Tisch im Lieblingsrestaurant reservieren – wenn es nach Google geht, müssen wir das schon bald nicht mehr selbst machen. Bei ihrer jährlichen Entwicklerkonferenz hat der Internetgigant seine KI (künstliche Intelligenz), den Google Assistent, solche Anrufe tätigen lassen. Dabei kommunizierte der Assistent nicht nur einwandfrei mit dem Gegegnüber, sondern baute „ähms“ an den richtigen Stellen ein, um den Gesprächspartnern das Gefühl zu geben, mit einer echten Person zu sprechen. Diese Aufgaben wurden im Test mit Bravour gemeistert.

Dabei ist die Kommunikation mit einer Maschine längst schon Alltag, auch wenn man es manchmal gar nicht merkt. Die Chatfunktion, die viele Firmen auf ihren Supportseiten anbieten, greift häufig auf sogenannte „Chatbots“ zurück. Das ist Software, die darauf programmiert wurde, lösungsorientiert die Fragen von Kunden zu beantworten. So ist das telefonieren mit einer von sechs unterschiedlichen Computerstimmen nur ein weiterer Schritt nach vorn für den Google Assistent. Die KI und seine Geschwister Alexa, Siri und Cortana helfen bereits seit einigen Jahren beim bewältigen kleinerer Aufgaben. Sie sitzen meist im Smartphone, Computer oder Smartspeaker und helfen ihren Nutzern beim Beantworten von Fragen, wie: „Woher bekomme ich eine Pizza?“, „Wie wird das Wetter heute?“, oder „Was ist der Sinn des Lebens?“. Vielleicht haben die KIs nicht auf alles eine wirkliche Antwort, doch sie wurden darauf programmiert uns so gut wie möglich zu helfen. Ein solcher Chatbot hilft auch auf der T-Mobile-Webseite Kunden bei Fragen rund um Handys, Vertrag und dgl. weiter. TINKA führt ca. 50.000 Konversationen im Monat und hilft mit ihrer künstlichen Intelligenz wo sie kann (mehr im Beitrag „Den Kinderschuhen entwachsen – TINKA im Regelbetrieb“ auf www.welove.ai).

Die KI Cortana aus dem Videospiel „Halo“ war namensgebend für Microsofts künstliche Intelligenz.

Watson spielt Doktor
Diese künstlichen Intelligenzen sind momentan eher eine technische Spielerei als eine wirkliche Erleichterung im Alltag. Je nach Spezialgebiet wird vor allem die von IBM entwickelte KI „Watson“ eingesetzt, um schwierige Aufgaben in sekundenschnelle zu lösen. Die KI wird in sehr spezifischen Fachbereichen wie Medizin oder Rechtswissenschaften eingesetzt. Die Software ist dabei nicht wie Alexa, Siri und Co. mit dem Internet verbunden, sondern wird je nach Anwendungsgebiet mit einer Vielzahl an Daten gefüttert, wie zum Beispiel Patientenakten und Studien. Mithilfe dieser Informationen konnte Watson 2016 beispielsweise einer Leukämie-Patientin helfen, deren Therapie durch Ärzte erfolglos geblieben war. Nach einer DNA-Analyse, die lediglich 10 Minuten dauerte, konnte Watson eine sehr seltene Form des Krebses feststellen. So konnte die Frau nach den neuen Erkenntnissen behandelt und geheilt werden.

Damit kann Watson auch Krankheiten erkennen, die Ärzte aufgrund ihrer Seltenheit nicht in Betracht ziehen würden. Das Programm analysiert die Patientendaten und berechnet anhand der Informationen in seiner Datenbank, welche Therapie oder welches Medikament für die Patienten am besten geeignet ist. Auch rechtliche Fragen soll Watson klären können. Mit einer Datenbank voller Gesetzestexte sowie Fallbeispielen, auf die das Programm zurückgreifen kann, können Unternehmen rechtliche Fragen schnell und effizient beantworten. Aktuell ist die allgemeine Datenanalyse das Haupteinsatzgebiet innerhalb von Firmen für Watson. Das Programm ist heißer Anwärter darauf, einige Stellen in Unternehmen zukünftig zu ersetzen.

Hier verstecken sich künstliche Intelligenzen
Reduziertere Formen von KIs helfen überall aus, auch wenn es nicht sofort offensichtlich wird. Übersetzungsprogramme können inzwischen nicht nur Texte in einer anderen Sprache anzeigen, sondern über die Spracherkennung ist theoretisch das Simultanübersetzen während eines Gesprächs möglich. Mit dem Google Übersetzer kann man sogar Text abfilmen, der dann nicht nur im Bild korrekt übersetzt wird, sondern auch Schriftarten und -farben exakt übernimmt. Im dazugehörigen Video versuchte man das am Song „La Bamba“ zu demonstrieren.

Apropos Video: Für Funktionen wie Gesichtserkennung oder Faceswap kommt ebenfalls eine KI zum Einsatz, die Gesichter erkennt und mitunter perfekt austauschen kann. So ist inzwischen für das bloße Auge kaum noch zu erkennen, ob ein Video echt ist oder manipuliert wurde. Da ist es kein Wunder, dass Videos zunehmend ihre Glaubwürdigkeit als Beweismittel verlieren. Diese Fähigkeit, Formen und Muster zu erkennen, machen sich viele Firmen zunutze. Das Wiener Startup „snic“ hat eine KI entwickelt, die Nahrungsmittel auf Fotos erkennt und direkt die Kalorienzahl anzeigt. Jedes Foto, das Nutzer zur App hinzufügen, wird zusätzlich zur KI-Analyse von einem Ernährungsteam analysiert. So kann die KI kontrolliert werden und lernt dazu.

Lehrstunde für KIs
Lernfähigkeit ist ohnehin essentiel für den Fortschritt der KI-Entwicklung. Desto mehr Fallbeispiele sie in ihren Datenbanken auswerten können, desto akkurater werden die Vorhersagen. Autonom fahrende Autos und Busse müssen in hohem Maße darauf zurückgreifen. Da eine Software keine situationsbedingten Einschätzungen vornehmen kann wie ein Mensch, sondern nur auf Daten zurückgreift, muss sie aus Situationen im Straßenverkehr lernen. Nur so kann sie langfristig richtig und sicher reagieren. Daher war es das wichtigste für die sichere Entwicklung autonom fahrender Fahrzeuge, mit Fahrern im Straßenverkehr unterwegs zu sein, die im Notfall bremsen und das Lenkrad übernehmen konnten. Nicht weniger wichtig aber nicht ganz so umfangreich sind die KIs, die in jedem modernen Fahrzeug dafür sorgen, dass Tempomat und Notbremsfunktion verlässlich bleiben. Vor allem öffentliche Transportmittel und LKWs sollen zukünftig auf Fahrer verzichten.

Wo immer eine Software Daten analysiert, Vorhersagen macht und Fragen beantwortet steckt eine künstliche Intelligenz dahinter. Sie erleichtern viele Arbeitsschritte, sind jedoch noch längst nicht perfekt, doch sie lernen schnell. Ihre Aufgabe, sich stets zu verbessern hat höchste Priorität. Auch wenn die Auswirkungen dieser Entwicklung noch nicht Eindeutig in unserem Alltag zu sehen sind, nutzen wir sie doch häufiger als wir ahnen – und wer weiß, vielleicht erledigen sie schon bald lästige Telefonate für uns.

Verfasst von
Franziska Bechtold arbeitet in der Monopol-Redaktion und verbringt ihre Freizeit schon immer gern in Digitalen Welten: Videospiele, SmartDevices und technologischer Fortschritt sind feste Bestandteile ihres Alltags. Blogt als elektro-uschi.at

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