Quanero: VR-Detektivgeschichten aus Salzburg

28. Mai 2018 /
Im VR-Game Quanero schlüpft man in die Rolle eines Detektivs. Im VR-Game Quanero schlüpft man in die Rolle eines Detektivs. Credits: Laserboys3000

Geschichtenerzählen in der virtuellen Realität ist noch gar nicht so weit verbreitet, wie man meinen möchte. Shooter, Puzzle- und Geschicklichkeitsspiele oder Spaziergänge auf dem Mond hingegen sind in unzähligen Ausführungen für Besitzer von VR-Geräten zugänglich. Eine Gruppe von Studierenden aus den Studiengängen „Multimedia Art“ und „Multimedia Technologie“ der FH Salzburg hat es ich deshalb zur Aufgabe gemacht, diese Lücke zu schließen. Im Sommer soll der zweite Teil ihres kostenlosen Detektiv-Spiels „Quanero“ auf den Markt kommen.

Hinweise sammeln und mit der Zeit spielen

Im VR-Game Quanero schlüpft man in die Rolle eines Detektivs.

Im ersten Teil befinden sich SpielerInnen in einer Cyberpunk-Bar zwischen Hochhäusern, die nach oben und unten schier unendlich weiterzureichen scheinen. Aliens unterhalten sich, es gibt eine Kneipenschlägerei, plötzlich eine Explosion – und dann ist alles vorbei. Um zu verstehen, was sich tatsächlich zugetragen hat, kann man die Zeit zurückdrehen und die Szene jederzeit anhalten. So entdeckt man die Situation aus vielen möglichen Blickwinkeln neu und kommt langsam hinter die Ereignisse. Im zweiten Teil erlebt man nun neue Facetten der Stadt und erkundet diese von unten nach oben, sowohl räumlich, als auch metaphorisch: Ähnlich wie in „High Rise“ oder „Metropolis“ leben die ärmeren Gesellschaftsschichten unten und die reicheren oben.

In vier verschiedenen Szenen werden SpielerInnen in die Rolle eines Detektivs versetzt. Sie bedienen in der Spielewelt eine Software, mit der sie sich Schauplätze genau anschauen und die Zeit vor und zurückdrehen können. So muss man Hinweise sammeln, um sie später miteinander zu verknüpfen und die gesamte Geschichte nachvollziehbar zu machen.

Ganzkörperscan, Gesichtstracking und Motion-Capturing

Im VR-Game Quanero schlüpft man in die Rolle eines Detektivs.Für die Entwicklung des ersten Spiels wurde an der FH Salzburg eigens ein Motion-Capturing-Studio eingerichtet. Schauspielerinnen schlüpften in die unterschiedlichen Rollen der Akteure im Spiel. Die Entwickler erweckten die Aufnahmen dann in Form von Aliens zum Leben, die sich fortan in „Quanero“ aufhielten. Die zweite Ausgabe des Spiels geht nun inhaltlich und technisch einen deutlichen Schritt nach vorn.

„Beim ersten Teil hatten wir etwa vier Schauspielerinnen, die via Motion-Capturing alle Rollen verkörpert haben. Wir hatten auch einen dicken Koch gestaltet, der dann allerdings beim Dreh von einem 1,80 Meter großen, 65 Kilo schweren Schauspieler verkörpert wurde. Der bewegt sich natürlich ganz anders, als unser Koch es sollte. Dadurch kam es auch zum so genannten ‚Offset‘ bei der Animation. Da die Bewegungen, die wir über das Motion-Capturing aufgenommen haben, nicht zu unserem digitalen Avatar gepasst haben, war die Animation verzerrt“, erklärt Projektleiter Philipp Reinhardt. „Durch die Ganzkörperscans der Schauspieler, konnten wir das umgehen und die Qualität der Animationen ist natürlich auch viel besser“, so der Charakterdesigner. Die Schauspieler von „Quanero 2“ wurden deshalb eins zu eins in die Spielewelt übertragen.Im VR-Game Quanero schlüpft man in die Rolle eines Detektivs.

„Der Ganzkörperscan in Wien dient in erster Linie dazu, die Abmessungen der Personen zu erfassen. Wir haben zudem ein eigenes Setup für Photogrammmetrie gebaut, um die Gesichtszüge der Schauspielerinnen zu tracken“, erklärt Projektleiter Philipp Reinhardt. Für diesen Gesichtsscan haben die Studenten eine eigene Vorrichtung mit 24-DSLR Kameras gebaut, die die Gesichtszüge der Darsteller einfangen und detailgetreu auf den Computermonitor bringen. Zusammen mit dem Ganzkörperscan und den Drehs mit den Schauspielern im Motion-Capturing Studio wurde eine ganzheitlich authentische Übersetzung der Menschen ins Spiel ermöglicht.

Das Spiel wird in wenigen Monaten kostenlos für HTC Vive und Oculus Rift im Steam-Store erhältlich sein.

Verfasst von
Franziska Bechtold arbeitet in der Monopol-Redaktion und verbringt ihre Freizeit schon immer gern in Digitalen Welten: Videospiele, SmartDevices und technologischer Fortschritt sind feste Bestandteile ihres Alltags. Blogt als elektro-uschi.at

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