Smarte Filmkunst – Vom kleinen Screen auf die große Leinwand

14. Mai 2018 /
© 2018 Twentieth Century Fox

Im Jahr 2016 nützten 39 Prozent der ÖsterreicherInnen ihr Smartphone häufig um damit Fotos zu machen oder Videos aufzunehmen, bei 23 Prozent kam es mehrmals im Monat zu diesen Zwecken zum Einsatz. Geht es also darum, wofür das Smartphone am häufigsten genutzt wird, liegen Filmen und Fotografieren, hinter dem Telefonieren und dem Schreiben von Messages, auf Platz drei. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn Apps wie Instagram boomen nach wie vor und begründen mitunter sogar Foto- und Filmkarrieren. Nie war es einfacher als heute, die eigene Kreativität auf solch unkomplizierte Weise zu kanalisieren. Obwohl die Karriere des irischen Filmemachers Robert Fitzhugh nicht mit dem Smartphone begann, so dehnt sie sich momentan stark in diese Richtung aus. Was mit einem am Smartphone aufgenommenen Kurzfilm anfing, den Robert bei mehreren Festivals einzureichen versuchte, mündete in der Idee ein Festival auf die Beine zu stellen, das sich ausschließlich dem am Smartphone aufgenommenen Film widmet. Um der bestehenden Community einen passenden Rahmen zu geben ihre Filme zu zeigen, aber auch um andere Menschen zu motivieren ihr Smartphone als kreatives Ventil zu nutzen, findet am 19. Januar 2019 in Dublin deshalb das erste Smartphone Film Festival statt. „So ein Festival kann Brücken schlagen – einfach schon indem es aufzeigt, dass nicht nur Amateure mit dem Smartphone filmen, sondern auch echte Starregisseure wie Soderbergh damit arbeiten“, erklärt der Filmemacher.

Künstlerische Freiheit

© 2018 Twentieth Century Fox

Robert Fitzhugh spricht den amerikanischen Regisseur Steven Soderbergh aus guten Grund an, denn „Unsane“, der aktuelle Thriller des Regisseurs, macht das Smartphone gleich auf zweifache Weise zum Thema. Der Film wurde nämlich nicht nur zur Gänze mit dem Smartphone aufgenommen, er beschäftigt sich auch auf inhaltlicher Ebene damit. So wird für die Datenanalystin Sawyer Valentini, gespielt von Claire Foy („Crowns“), das Smartphone vom Freiheitsversprechen und Kommunikationswerkzeug zu einem Instrument, dem sie zumindest eine Teilschuld an ihrem beklemmenden Zustand als Stalkingopfer zuschreibt. Mit ihrer Geschichte bringt Soderbergh nochmal ordentlich Wind in die Nachwehen von MeToo und beleuchtet in diesem Zusammenhang auch die Rolle mobiler Devices. Es ist also diese enge Schneise zwischen Freiheit, Flexibilität, Überwachung und Kontrolle in der sich „Unsane“ über weite Strecken bewegt. Soderbergh selbst konnte das Smartphone hingegen als Werkzeug nutzen, das ihm die künstlerische Freiheit ermöglichte einen solch beklemmenden Film überhaupt zu produzieren.

Neue Perspektiven

© 2018 Twentieth Century Fox

Als Mitbegründer des Smartphone Film Festivals hat Robert „Unsane“ natürlich bereits gesehen und sehr viel Lob für den Film übrig: „Den Film mit dem Smartphone zu drehen, hat es Soderbergh ermöglicht die Kamera in einzigartigen Positionen zu platzieren.  Es gelingt ihm dadurch Perspektiven zu schaffen, die dem paranoiden Grundton des Films entsprechen. Für mich die perfekte Technik um einen solchen Film anzugehen und die Isolation, wie auch die beklemmende Angst der Hauptakteurin, einzufangen. Ich erinnere mich jetzt noch gut an spezielle Einstellungen und kann deshalb auch sagen, dass „Unsane“ für mich bisher der spannendste Film dieses Jahres war.“ Dieses Fazit entspricht mit Sicherheit auch der Einschätzung Soderberghs selbst, der, wie Robert weiter ausführt, es sich gar nicht mehr vorstellen kann zu traditionellen Methoden zurückzukehren.

Kritische Stimmen

Gedreht wurde der Film auf einem iPhone 7 in 4K-Qualität. Doch auch wenn Soderberghs „Unsane“ der erste Film aus der Reihe der Smartphone-Filme ist, der sich über solch große mediale Aufmerksamkeit freuen darf, so ist er dennoch nicht der erste seiner Art. 2011 erschien „Olive“ als erster Spielfilm, der ausschließlich mit dem Smartphone aufgenommen wurde. Mit einer Handvoll Nokia N8-Mobiltelefone und einigen Rollen doppelseitigem Klebeband gelang es dem Produktionsteam „Olive“ auf die Beine zu stellen. 22 Drehtage dauerte es insgesamt bis Regisseur Hooman Khalili das Material beisammen hatte. Inhaltlich geht es um ein Mädchen, das die Lebenswege dreier Menschen entscheidend verändert, ohne dabei auch nur ein Wort zu sprechen. Sprachlos lassen solch experimentierfreudige Projekte kaum jemanden zurück, denn gerade beim Thema Smartphone haben viele eine Meinung. Obwohl diese, wie bei Robert, auch sehr positiv ausfallen kann, gibt es dennoch auch viele kritische Stimmen, die in solchen Techniken den Untergang der Filmbranche sehen. Eine Einschätzung die Robert ganz und gar nicht teilt: „Im englischsprachigen Raum gibt es das Sprichwort, dass in jedem von uns zumindest ein gutes Buch steckt. Ich glaube, dass sich das genauso aufs Filmemachen übertragen lässt – schließlich haben wir alle mindestens eine Geschichte zu erzählen. Filmemachen wird mit dem Smartphone einfach zugänglicher und niederschwelliger. Was nicht bedeutet, dass man die Basistechniken des Filmemachens dafür nicht beherrschen muss. Deshalb glaube ich auch nicht, dass die traditionelle Filmkunst dadurch in Gefahr gerät.“

Verfasst von
Sarah Wetzlmayr ist Redakteurin und meistens irgendwo an der Schnittstelle zwischen Netzkultur und Hochkultur zu finden. Virtual Reality, Smart-Devices und Apps prägen deshalb nicht nur ihren Arbeitsalltag, sondern auch ihre Freizeit.

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