Ausbau von 5G benötigt neue Frequenzen. Ein Interview.

08. März 2018 /

Digitalisierung ist in aller Munde, der Datenverkehr steigt von Jahr zu Jahr exorbitant. Um den steigenden Anforderungen nach Daten gerecht zu werden, wird die nächste Mobilfunkgeneration 5G benötigt.  Für den 5G-Rollout werden allerdings neue Frequenzen benötigt, die im Herbst 2018 versteigert werden.  T-Mobile hat bereits vor dem Ausbau 5G mit dem Showcase in Innsbruck Unternehmensgeschichte geschrieben und damit wichtige Erkenntnisse über die neue Technologie-Revolution, die 5G mit sich bringen wird, gewonnen. Wir haben die beiden T-Mobile-Spezialisten Dominik Thauerböck aus der Rechtsabteilung und Driton Emini aus der Technik zum Gespräch getroffen.

Die Redaktion hat Dominik Thauerböck aus der Rechtsabteilung und Driton Emini aus der Technik zum Gespräch getroffen.

Die Redaktion hat Driton Emini aus der Technik und Dominik Thauerböck aus der Rechtsabteilung zum Gespräch getroffen (v.l.n.r.).

Welche Mobilfunkfrequenzen werden versteigert und wie sieht der Zeitplan der Versteigerung aus?
Dominik Thauerböck: Die Regulierungsbehörde arbeitet auf Basis eines sogenannten Spektrums-Release-Plans. Dieser legt fest, wann welche Frequenzen vergeben werden. Als nächstes werden die Frequenzen im Bereich 3,4 und 3,8 Gigahertz versteigert. Am 21. Februar 2018 wurde das Design der Auktion veröffentlicht, die Versteigerung wird im Oktober oder November dieses Jahres stattfinden. Vorher wird dieses Design aber noch öffentlich konsolidiert.

Um welchen Betrag werden die Frequenzen versteigert werden?
Dominik Thauerböck: Das kann man jetzt noch nicht realistisch beurteilen, denn das hängt sehr stark vom Auktionsdesign ab. Das BMVIT oder die RTR stellen die Frequenzen nicht auf Plattformen, die mit ebay oder willhaben vergleichbar sind. Diese Auktion ist viel komplexer, da sehr viele Aspekte berücksichtigt werden müssen, wie zum Beispiel die Anzahl der Teilnehmer, die Verwendung der Frequenzen und vieles mehr.

Das Auktionsdesign hatte beim letzten Mal unserer Ansicht nach das Ziel, den maximalen Betrag für die Regierung herauszuholen – das war unter anderem ein Grund, warum die letzte Versteigerung so teuer wurde. Wir setzen uns dafür ein, dass ein ähnliches Auktionsdesign wie bei den 3G-Frequenzen angewendet wird. Hier wurden Mechanismen eingesetzt, mit denen allen Teilnehmern klar war, wie ein Mindestangebot zustande kommt. Am 21. Februar 2018 wurde bekannt gegeben, dass bei der diesjährigen Auktion das „Einfache Clockauktion“- Auktionsformat angewandt werden soll. Wir evaluieren derzeit noch, welche Auswirkungen dieses Format auf die Aktion haben kann. Derzeit ist es noch zu früh, mögliche Konsequenzen des Designs abzuschätzen.

Driton Emini von T-Mobile zeigt beim Showcase 5G im Live-Netz. 2 Gigabyte pro Sekunde wurden erreicht.

Driton Emini von T-Mobile zeigt beim Showcase 5G im Live-Netz. 2 Gigabit pro Sekunde wurden erreicht.

Welche Technologien können im neuen Frequenzspektrum eingesetzt werden?
Driton Emini: Wir brauchen das neue Spektrum für den Ausbau von 5G.  Die Spezifizierung des neuen Mobilfunkstandards 5G ist zwar noch nicht ganz abgeschlossen, aber es ist zu erwarten, dass der Bereich von 3,4 bis 3,8 Gigahertz für 5G rund um den Globus verwendet wird.

Unser derzeit verfügbares Spektrum wird weiterhin für aktuelle Technologien und Dienste eingesetzt. Wir beabsichtigen in den kommenden Jahren, im Zuge der Netz-Evolution, möglichst viel Spektrum im Sinne einer effizienten Nutzung für höherwertige Technologien zu verwenden. Die Umwidmung des Spektrums für GSM in Richtung UMTS und der bevorstehende Refarming-Prozess, mit dem Fokus auf LTE, bringt netzseitig Effizienzgewinne und einen spürbaren Mehrnutzen für unsere Kunden.

Wie wichtig sind Tests, wie der in Innsbruck durchgeführte 5G-Showcase?
Driton Emini: Wir waren die Ersten in der Deutschen Telekom-Gruppe, die 2009 LTE im Live-Netz getestet haben. In weiterer Folge haben wir auch die Evolution von LTE mit Carrier Aggregation, das ist die Bündelung mehrerer Frequenzen oder Erprobung höherwertiger Übertragungsraten mit 4×4 Antennen, vorangetrieben.

Der 5G-Showcase in Innsbruck (0676 Blog hat darüber berichtet) war für uns von sehr großer Bedeutung, denn damit konnten wir in den Bereichen der Netzplanung, Operations und der Netzinfrastruktur die ersten Erfahrungen mit 5G sammeln. Wir haben hier unter realen Bedingungen eine sehr hohe Datenübertragung von 2 Gigabit pro Sekunde und eine sehr niedrige Latenzzeit von 3 Millisekunden demonstrieren können.

Mit diesen Tests zeigen wir die Chancen und Herausforderungen, welche bei der Einführung neuer Technologien bestehen. Und wir unterstreichen mit diesen Showcases, dass wir neues Spektrum benötigen, um den steigenden Datenverkehr abwickeln zu können. Wir sind sehr stolz darauf, dass unser Trial in Innsbruck ein großer Beitrag zu unserer Konzernstrategie „Leading European Telco“ ist.

Was macht T-Mobile mit den Ergebnissen? Werden sie konzernweit geteilt?
Driton Emini: Wir haben wichtige Erkenntnisse gewonnen und dadurch ein Gefühl bekommen, was wir bei der Planung berücksichtigen müssen, wie das Transportnetz dimensioniert werden soll und wie wir das Netz der Zukunft ausrollen können.

Die Ergebnisse werden mit den Kolleginnen und Kollegen der Deutschen Telekom und in unseren Landesgesellschaften geteilt sowie in den kommenden Wochen in diversen technischen Gremien besprochen.

Wie wird 5G unser Leben verändern?
Driton Emini: Bereits 3G und 4G haben unser Leben massiv verändert. Wir schauen in der U-Bahn unsere Lieblingsserie am Handy, hören Musik über Streaming-Dienste, schauen YouTube-Videos am Tablet usw. usw., die Liste könnte ewig weitergeführt werden. 5G ist der nächste Treiber der Digitalisierung und wird die Industrie 4.0 mit Leben befüllen. 5G wird Möglichkeit eröffnen, neue Anwendungen zu unterstützen. Zum Beispiel autonomes Fahren, Fernoperationen oder Steuerung von Drohnen oder ganzen Drohnenschwärme wie im Bereich der Rettung oder der Personensuche. Diese Anwendungen sind derzeit mit den bisherigen technischen Möglichkeiten über 3G und 4G gar nicht oder nur bedingt möglich. Maschinen werden in Zukunft viel mehr miteinander kommunizieren und untereinander vernetzt sein.

Wir danken euch für das Gespräch!

Verfasst von
Sie ist Pressesprecherin von T-Mobile Austria und Hauptredakteurin des 0676 Blogs. Sie interessiert sich seit der Jugend für Telekommunikation, Technologie und Mobilfunk.

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