Gesundheits-Apps: Der Arzt auf dem Smartphone

05. Januar 2018 /

Das Smartphone als unser ständiger Begleiter erobert immer mehr Bereiche des täglichen Lebens. Als Medizingerät soll es auch Patienten und Ärzte unterstützen. Viele Menschen nutzen ihr Smartphone schon, um Gesundheitsdaten zu messen und es werden immer mehr professionelle Anwendungen entwickelt.

Forscher am California Institute of Technology (Caltech) haben zum Beispiel eine App entwickelt, die in Minutenschnelle, ganz ohne Besuch beim Kardiologen und teure diagnostische Geräte, die Herzgesundheit untersucht. Mit der Smartphone-Kamera zeichnet der User dazu ein Bild seiner Halsschlagader auf. Diese bewegt sich im Rhythmus des von der linken Herzkammer in den Kreislauf gepumpten Blutes. Ist das Herz schwach, schwillt die Ader nur wenig an – ist es stark, deutlich stärker. Die App wertet in der Folge die Bewegungen der Halsschlagader aus.

Die Methode funktioniert, weil Arterien elastisch sind und sich entsprechend des Herzschlags ausdehnen oder wieder in sich zusammenfällt. Diese Wellenbewegung beinhaltet die Information über das Funktionieren des Herzens.

App gegen Migräne
Kopfschmerzen gehören für viele Menschen zum Alltag. Gut zehn Prozent aller Österreicher, vorwiegend Frauen, leiden unter Migräne-Attacken. Manche Betroffene haben sie mehrmals im Monat, andere nur ein bis zwei Mal im Jahr. Die neue Analyse-App M-sense zeigt Migräne-Patienten, wie sie Attacken vorbeugen können – ohne sofort zum Medikament greifen zu müssen.

Für Migräneanfälle sind anhaltende elektrische Entladungen von Nerven verantwortlich. Stress oder andere Auslöser legen regelrecht Schalter im Gehirn um, die die Schmerzen auslöst. Was aber genau die Schalter im Kopf umlegt, ist bei jedem Menschen individuell anders. Das Umlegen kann aber mit Hilfe von mathematischen Algorithmen analysiert, abgebildet und prognostiziert werden. Das ist auch der Grundgedanke der App M-sense. Die Analysesoftware setzt Algorithmen ein, um Migränepatienten den Zusammenhang zwischen Wetter, Schlaf, Aktivität, Stress und ihrer Kopfschmerzattacke aufzuzeigen.

Über die Analyse des individuellen Schmerzmusters wird den Betroffenen eine auf sie zugeschnittene nicht-medikamentöse Therapie zur Reduktion der Attacken angeboten. Die folgt den medizinischen Leitlinien und beinhaltet beispielsweise ein Programm zur progressiven Muskelentspannung.

„Smartphone Daumen“ als Gefahr
Aber auch das Smartphone selbst kann die Ursache für so manches Leiden sein. So warnen Ärzte vor zu intensivem Surfen und Messaging. Durch das ständige und monotone Wischen und Drücken in hoher Frequenz werden Gelenke und Sehnen des Daumens übermäßig belastet, was oft eine Sehnenscheidenentzündung nach sich zieht – mit schmerzhaften Folgen bei jeder Bewegung und in Ruhe. Der „Tennisarm“ ist schon seit Jahrzehnten ein geläufiger Begriff. Künftig werden wir wohl häufiger vom „Smartphone-Daumen“ hören.

Verfasst von
Christof Baumgartner ist freier IT-Journalist und Mitgründer der Content-Agentur kontexte.

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