Interview mit T-Mobile CTO Rüdiger Köster zum Netzausbau und zur Zukunft des Mobilfunks

19. Dezember 2017 /
T-Mobile CTO Rüdiger Köster

T-Mobile CTO Rüdiger Köster

Ende des Jahres wollen wir noch einen Blick auf unseren Netzausbau werfen und haben den T-Mobile Technik-Chef  Rüdiger Köster zum Interview gebeten. Der geborene Deutsche begann seine berufliche Laufbahn 1990 bei der Deutschen Telekom, wo er bei der Einführung der 2G- und 3G-Technik mitwirkte, seit 2009 ist er der CTO von T-Mobile. Mehr als 25 Jahre nach Einführung der Sprachtelefonie ist er für das größte Investitionsprogramm der Unternehmensgeschichte bei T-Mobile verantwortlich.

Im Vorjahr ist das Datenvolumen im T-Mobile-Netz um 140 Prozent gewachsen, heuer werden es erneut rund 100 Prozent sein. Wie geht T-Mobile mit dem enormen Datenwachstum und der Einführung neuer Netztechnologien um?
Rüdiger Köster: Wir investieren in den Jahren 2017 und 2018 mehr als wir je getan haben. Es handelt sich hier um gravierende Steigerungen. Konkret heißt das, dass wir im laufenden Jahr (2017) insgesamt 155 Millionen Euro investieren. Für das Jahr 2018 werden wir diese Zahl noch einmal steigern und 170 Millionen Euro investieren, der weitaus größte Teil davon geht direkt in unser Netz. Wir haben noch nie so viel in die Technik investiert und dies stellt das größte Investitionsprogramm der Unternehmensgeschichte dar.

Woran liegt es, dass die Deutsche Telekom so stark in Österreich investiert?
Rüdiger Köster: T-Mobile hat in den letzten Jahren die Trendwende geschafft. In den Jahren zuvor sank unser Umsatz jährlich um fünf bis sechs Prozent. Aber mit Produkten wie unserem HomeNet-Router und einer gewissen Marktberuhigung konnten wir wieder wachsen, das hat natürlich auch in Bonn, wo unsere Konzernzentrale ist, Vertrauen geweckt. Dank dieses Markterfolgs ist unsere Konzernmutter auch wieder bereit zu investieren. Das geht alles Hand in Hand: Erfolg, Umsatzwachstum, Kontinuität und Zuverlässigkeit.

Datenverbrauch T-Mobile Austria

Datenverbrauch im Netz von T-Mobile

Wie bereitet T-Mobile das Netz für die steigenden Anforderungen vor? Was macht T-Mobile konkret, um höhere Kapazität und Geschwindigkeiten zu erreichen?
Rüdiger Köster: Fakt ist, dass sich die Datennutzung derzeit jährlich annähernd verdoppelt. Von 2010 bis 2016 ist der Datenverkehr sogar um unglaubliche 3.500 Prozent gestiegen. Dieses Wachstum muss auch im Netz abgebildet sein – das heißt wir brauchen mehr Kapazität und dass wir an unseren bestehenden Standorten mehr Frequenzbänder (Carrier) ausbauen und nutzen müssen.

In den Städten beispielsweise, in denen wir bereits seit einiger Zeit LTE auf der 2,6 GHz-Frequenz mit 20 MHz Bandbreite ausgerollt haben, wird jetzt zusätzlich LTE 1800 mit 15 Mhz Bandbreite ausgebaut. So können wir mehr Kapazität und auch höhere Geschwindigkeit anbieten.

Bei LTE kann das verteilte Spektrum für die Nutzung aggregiert, also zusammen gezogen werden, das nennt man in der Fachsprache Carrier Aggregation. Je mehr Spektrum wir haben, desto höhere Maximalgeschwindigkeiten und Kapazitäten können wir anbieten.

Im ländlichen Raum nutzen wir derzeit LTE auf der 800 MHz-Frequenz und werden zusätzlich noch LTE 1800 ausbauen. Das heißt, zu den 10 MHz auf der Frequenz 800 MHz kommen jetzt noch 15 MHz auf der 1800 Frequenz dazu.

An den Hotspots, also dort wo sehr viele Kunden in die Stationen eingebucht sind, werden wir darüber hinaus auch in den Folgejahren mehr und mehr UMTS 2100 Spektrum für LTE nutzen sobald die 3G-Auslastung dies zulässt.

Das heißt, dass die Mobilfunkfrequenzen, die wir verwenden, anders als in der Vergangenheit nicht mehr an konkrete Technologien wie GSM, UMTS oder LTE gebunden sind?
Rüdiger Köster: Genau, das ist nicht mehr Fall. Deshalb haben wir auch mehr Spielraum bei der Kapazitäts- und Geschwindigkeitserweiterung.

Wie kritisch ist die Entwicklung des Datenvolumens?
Rüdiger Köster: Mit dem jetzigen Ausbau – und wir bauen sehr schnell aus – werden wir dem Datenwachstum standhalten. Wir sehen aber jetzt schon, dass ab dem Jahr 2021 das Spektrum bereits wieder eng wird. Deshalb ist es so wichtig, bereits jetzt über 5G nachzudenken.

2018 gibt es wieder eine große Spektrumsauktion bei der Spektrum von 3,4 bis 3,8 GHz versteigert wird. Das ist ein sehr breites Spektrum, denn es sind in Summe 390 MHz die verteilt werden. Das ist mehr als derzeit insgesamt von allen Mobilfunkern genutzt wird.

T-Mobile hat derzeit 85 MHz Spektrum. Wenn im nächsten Jahr 390 MHz zusätzlich versteigert werden und wir davon ausgehen können, einen fairen Anteil zu bekommen, dann können wir eine Menge Spektrum dazu gewinnen. Dieses Spektrum wird aber auch benötigt, denn das Datenwachstum müssen wir mit neuen Technologien und neuem Spektrum bedienen.

5G Anwendungsidee, Thema Gesundheit (Rechte: Deutsche Telekom)

5G Anwendungsidee, Thema Gesundheit (Rechte: Deutsche Telekom)

Neben dem reinen Datenwachstum wird 5G aber auch eine Fülle von neuen Anwendungen und Möglichkeiten bieten, die wir gerade erst beginnen zu verstehen. Stichwörter sind hier: Smart City, Digitalisierung, Internet of Things (IOT), Sensoric, Autonomous Driving, etc. 5G ist daher nicht einfach nur ein neuer Radio-Standard, sondern eine Fülle von verschiedenen Netzen (Network Slicing), die alle diese Anforderungen individuell (Speed, Priority, Latency, Riliability, etc.) abdecken werden.

Wie kommt der Ausbau der Qualitätssteigerung bei der Sprachtelefonie zugute?
Rüdiger Köster: Ein wesentlicher Aspekt bei unserem Netzausbau ist der flächendeckende Ausbau von 3G im 900 MHz-Spektrum, welches bislang nur für GSM (2G) genutzt wurde. Hiermit können wir mehr und mehr Sprachtelefonie auch tief in Gebäuden auf UMTS (3G) verschieben, was eine deutliche Verbesserung der Qualität mit sich bringt. Dadurch werden wir aber auch endlich das viel zu langsame EDGE los, da wir dann an allen LTE-Lücken zumindest UMTS900 anbieten können. Mitte 2018 werden wir hiermit komplett fertig sein. Darüber hinaus werden wir in 2018 und 2019 auch alle in die Jahre gekommenen Standorte modernisieren und damit alle Technologien (2G, 3G, LTE) mit einem sogenannten SingleRAN (0676 Blog hat bereits darüber berichtet) bedienen können. Dies schafft uns Flexibilität bei der Ausnutzung des Spektrums und gibt uns weitere Optimierungsmöglichkeiten.

Bringt die Modernisierung unseres Netzes noch weitere Vorteile?
Rüdiger Köster: Mit dem derzeitigen Ausbau führen wir auch eine neue Technologie ein, die sich „Narrow Band IoT“, kurz NB-IoT, nennt. Das ist ein schmalbandiges Netz speziell für IoT, also für das das Internet of Things, das speziell für die Kommunikation von Maschinen, Geräten und Dingen konzipiert wurde. Mit der Einführung von NB-IoT sind wir Vorreiter in Österreich und werden es nächstes Jahr bereits flächendeckend ausgerollt haben.

St. Pölten ist für NB-IoT unsere Pilotstadt – dort gibt es schon rund 50 Standorte, an denen die Technologie erprobt wird. Mit NB-IoT wird auch die Versorgungsfläche noch einmal gesteigert – vor allem in den Bereichen, wo es derzeit wenig bis keine Versorgung gibt, wie in Schächten oder auch Kellern.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

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Sie ist Pressesprecherin von T-Mobile Austria und Hauptredakteurin des 0676 Blogs. Sie interessiert sich seit der Jugend für Telekommunikation, Technologie und Mobilfunk.

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