eSight: die Brille, mit der Blinde sehen können

24. April 2017 /

„Er sieht aus wie wir“, flüstert Kathy Bleitz und schaut liebevoll in das Gesicht ihres neugeborenen Sohnes. Es ist wohl einer der glücklichsten Momente in ihrem Leben, denn zum ersten Mal sieht sie ihr Baby. Was für viele selbstverständlich klingt, ist für Kathy eigentlich ein Wunder: sie leidet nämlich an der vererbbaren Seherkrankung Morbus Stargardt und ist fast vollständig blind. Mit der Brille von eSight ist jedoch ihr größter Wunsch in Erfüllung gegangen.

Die kanadische Firma eSight hat eine Brille entwickelt, die es Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung möglich macht zu sehen. Vor acht Jahren hatte Conrad Lewis aus Ottawa die Idee und gründete das Start-Up. Lewis‘ Schwestern leiden beide an Morbus Stargardt, einer vererbbaren Netzhauterkrankung.  Diese tritt oft im Kindesalter auf. Mit der Zeit sehen die Betroffenen immer schlechter, Objekte im zentralen Blickfeld erkennen sie zunächst kaum noch deutlich, mit der Zeit sehen sie oftmals gar nichts mehr.

eSight sieht zwar aus wie eine futuristische Brille, ist aber eigentlich eher ein Headset, bei dem die Nutzer auf einen Bildschirm schauen. Das Gerät setzt sich zusammen aus einer HD-Kamera, die das aufnimmt, was im Blickfeld des Nutzers liegt. Dieses Bild wird dann auf einen Prozessor Diese Bilder werden an einen angeschlossenen, tragbaren Prozessor gesendet, dessen Algorithmen die Bilder bearbeiten. Abhängig von der Erkrankung und der damit einhergehenden Sehbeeinträchtigung wird zum Beispiel die Kontraststärke des von der Kamera aufgenommenen Bildes künstlich erhöht. Die User sehen also durch eine Art indirekte Brille, sie schauen auf einen Bildschirm und erkennen ein Bild, welches die HD-Kamera aufgenommen und der Prozessor für ihre Bedürfnisse optimiert hat.

Die Brille lässt sich auf jeden Nutzer und jede Situation individuell anpassen. So wie Andere beispielsweise eine Brille zum Lesen und eine für Freizeitaktivititäten haben, genauso kann man auch mit eSight zwischen verschiedenen Einstellungen wählen, wenn man etwa in grellem Sonnenlicht spazieren gehen oder im gedimmten Licht lesen möchte. Die individuellen Einstellungsmöglichkeiten ermöglichen es, dass so viele Menschen mit verschiedensten Seherkrankungen wie möglich eSight nutzen können, von Morbus Stargardt, diabetischer Retinopathie, anderen Erkrankungen oder auch verletzungsbedingten Sehbehinderungen.

Bislang ist eSight nur in Kanada und den USA verfügbar, die Kosten betragen 15.000 US-Dollar. „Jeder verdient es, sehen zu können“, das ist der Leitsatz des Unternehmens, deshalb möchten sie die Brille durch Crowdfunding, staatliche Förderungen und Versicherungen für so viele Menschen wie möglich zugänglich machen.

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