Digitalisierung zum Ausdrucken

13. März 2016 /
Claudia Nemat - Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG, Europa und Technik. Claudia Nemat - Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG, Europa und Technik.

Virtuelles Erleben und intelligente Vernetzung mit 5G – da muss man mal durchatmen. Ein Beitrag von Claudia Nemat, Vorstand EU & Technik Deutsche Telekom.

Das wichtigste Ereignis zwischen MWC und CeBIT? Durchatmen. Nicht Lachen, aber in meinem Büro steht jetzt ein 3D-Drucker. Durchaus zum spielerischen Ausprobieren. Mal selbst eine Handyschale kreieren. Oder ein Wearable. Vor allem ist die graue Kiste aber mahnender Finger. Dafür, dass wir mutiger und risikofreudiger denken müssen. In ein paar Jahren werden 3D-Drucker menschliche Organe zur Transplantation auswerfen. Biological printing verlässt die Kinderschuhe. Glauben Sie es? Zukunftsforscher wie der US-Amerikaner Ray Kurzweil sprechen vom „Gesetz des sich beschleunigenden Nutzens“ – das heißt, dass sich technische Entwicklungen heute viel schneller entwickeln als noch vor zehn Jahren.

Die digitale Zukunft beschleunigt sich
Der Mobile World Congress (MWC) in Barcelona und die CeBIT in Hannover führen klar vor Augen: Die Zukunft klopft an der Tür. Innovationen mit hohem Potenzial sind da. Wir müssen die Möglichkeiten der Digitalisierung daher radikaler vor- und durchdenken. Disruptivere Szenarien tun not. Einfacher Selbsttest: Die Richtung stimmt, wenn andere ihre Prognosen und Pläne belächeln. Und wir müssen schauen, was Dritte bereits realisieren. „Not invented here“ oder alles Hirngespinste darf nicht das Killer-Argument für Innovationen sein.

Auch abseits des Deutschen Telekom-Standes kam ich in Barcelona vor allem an Virtual Reality und dem nächsten Mobilfunkstandard 5G nicht vorbei. Beide Themen werden die Digitalisierung  auf ein neues Level heben. 3D ist nochmal ein Thema für sich, nicht nur für die Logistik-Branche. Dazu ein andermal mehr.

Jetzt 5G – der neue Standard wird unsere Denkweise von Vernetzung verändern. In Spanien haben wir ein voll funktionsfähiges, Ende-zu-Ende 5G-Netz präsentiert. Eine flexible Architektur verhilft diesem, extrem diverse Eigenschaften anzunehmen. Das System ist software-definiert aufgebaut. Basis sind offene Schnittstellen, Hardware nach Industriestandards und Network Slicing, also Aufteilen eines Netzes in virtuelle Netze. Was heißt das nun?

Denken Sie nur einmal an Anwendungen in den Städten der Zukunft: Von der Mülltonne über die Straßenlaterne bis zum Parkplatz lassen sich mit Sensoren Daten über x-Parameter erheben. Oder der digitale Acker. Sensoren im Boden oder auf Pflanzen können über Bewässerung, Düngung und Insektenbefall informieren. Experten rechnen damit, dass über die nächsten Jahrzehnte zig Milliarden solcher Sensoren zum Einsatz kommen – zusätzlich zu den Chips in Smartphones, Laptops, Küchengeräten, Autos usw. All diese Einheiten wollen in Verbindung treten. Diese Art der Vernetzung wird neue Dimensionen der Koordination und Effizienz ermöglichen.

Und natürlich unser Latenzrekord von unter einer Millisekunde. 5G wird mit neuen Möglichkeiten bei der verzögerungsreduzierten Übermittlung von Signalen auch dem Thema selbststeuernde Geräte (Autos, Dronen, etc.) neue Anwendungsbereiche eröffnen. Mehr im 0676 Beitrag „Was 5G im Alltag bringt„.

Virtual Reality, also Erzeugen einer fast realitätsechten Umwelt durch Einsatz von Brillen, oder auch Augmented Reality, also computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung durch Einspielen digitaler Informationen, werden noch von Laien als Spielerei für Nerds empfunden. Oder als maximal für Spiele geeignet abgewertet.

Das ist bei Innovationen oft der Fall – der sogenannte Hype-Cycle: Technische Neuerungen werden erst mit Erwartungen überfrachtet, enttäuschen dann in erster Nutzung. Nur später erreichen sie eine wirklich produktive Marktreife. So gilt die erste Version von Google Glass für Privatkunden als gescheitert. Andererseits habe ich in Barcelona ein Pilotprojekt zur Anwendung im Wartungs- und Montagebetrieb gesehen, mit beeindruckenden Resultaten. Servicetechniker dürften mehr und mehr solche Techniken nutzen, etwa um Details von Bauteilen zu erfahren, Handgriffe zur Installation einzuspielen oder live aus der Zentrale beraten zu werden.

Das Neue zulassen: digitale Verantwortung entwickeln
Virtual Reality wird unsere Vorstellung von „an einem Ort sein“ verändern. Schon heute sind Vorlesungen an einer Uni in England oder den USA im Internet zu besuchen. Was aber, wenn Studenten in Deutschland, Nigeria oder Korea per Virtual Reality an einer Klassendiskussion in einem virtuellen Raum teilnehmen? Präsenz vor Ort wird auch in der Berufswelt eine neue Dimension annehmen. Die Grenzen von Arbeitsraum, Zuhause und unterwegs verwischen. Mitarbeiten wird noch mehr als heute über große Entfernungen möglich.

Bei manchem wecken diese Szenarien Unbehagen. Wir stehen erst am Anfang der Digitalisierung und doch schon in immensen Umwälzungen. Über das gesamte Alltagsleben. Was ist mit Datenschutz, Arbeitsplätzen, Eigenständigkeit? Ja, es gibt Risiken. Die beherrschen wir aber nicht durch Wegschauen oder Blockieren, sondern durch Einmischen. Ich bin überzeugt, wir könne die Zukunft so mitgestalten, dass die Menschen weiter im Mittelpunkt stehen und die Chancen überwiegen. Dafür sollten sich Gesellschaft und Unternehmen einsetzen und gemeinsam eine digitale Verantwortung erarbeiten. Die Vernetzung der Dinge wird Realität werden, welche Grenzen wir ziehen wollen, sollten wir offen und mutig diskutieren.

Verfasst von
Sie ist Pressesprecherin von T-Mobile Austria und Hauptredakteurin des 0676 Blogs. Sie interessiert sich seit der Jugend für Telekommunikation, Technologie und Mobilfunk.

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.