Besserer Handyempfang auf Schiene

09. Oktober 2015 /

Jeder (Pendler) kennt es. Man surft am Handy oder telefoniert im Zug und plötzlich ist der Handy-Empfang weg und „nichts geht mehr“. Bei der heutigen Pressekonferenz haben Alois Stöger, seines Zeichens Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie, sowie die Vertreter der ÖBB und der drei Mobilfunkanbieter bekannt gegeben, die durchgehende Netzversorgung in den Zügen der ÖBB bis spätestens Ende 2018 sicherzustellen.

Driton Emini, Abteilungsleiter Radio Network bei T-Mobile

Driton Emini, Abteilungsleiter Radio Network bei T-Mobile

Insgesamt werden rund 900 neue Mobilfunksender entlang von 1.500 Kilometern Bahnstrecke errichtet. Bevorzugt soll die bestehende Infrastruktur wie etwa die GSM-R Sendemasten der Bahn, oder etwa auch Masten für den Fahrstrom der Bahn genützt werden. Etwa alle fünf Kilometer wird eine zusätzliche Sendestation auf dem LTE Standard errichtet, jeder Standort ist mit 200 Mbit/Sekunde angebunden. Der Ausbau der Mobilfunkinfrastruktur erfolgt im laufenden Bahnbetrieb und ist aufgrund der stark befahrenen Strecken und vieler Tunnelanlagen sehr anspruchsvoll.

Wir haben Driton Emini, Teil des Netzausbauteam bei T-Mobile und Leiter der Abteilung Radio Network, zum Ausbauprogramm befragt.

Herr Emini, die Netzversorgung in der Wiener U-Bahn ist fast lückenlos. Von den Zugstrecken kennen wir das anders.
Driton Emini: Letztes Jahr haben wir den Ausbau für die lückenlose Versorgung der Wiener U-Bahn abgeschlossen, dies war ein wichtiges Projekt. Wir haben neue Standorte aufgestellt, die nun nur für die U-Bahn-Nutzer ein Funksignal erzeugt. Die Netzkapazität und Qualität ist damit um einiges besser. Und stimmt, in den Zügen sind wir noch weit davon entfernt.

In Zügen funktioniert das Surfen und Telefonieren nicht so gut wie in der U-Bahn. Welche Gründe hat diese schlechtere Netzabdeckung?
Driton Emini: Die ÖBB haben in den letzten Jahren Kundenbefragungen durchgeführt. Wiederkehrendes Ergebnis davon: Das Telefonieren und Surfen während der Zugfahrt ist den Fahrgästen sehr wichtig. Darauf haben die ÖBB reagiert und nun sind sie dabei, die Versorgung gemeinsam mit den drei österreichischen Mobilfunkern zu verbessern.

Warum hat T-Mobile nicht schon vorher die Versorgung verbessert? Es ist für Pendler sehr ärgerlich, wenn sie plötzlich keinen Empfang mehr haben…
Driton Emini: Die Versorgung der Bahnstrecken war in den letzten Jahren nicht im Fokus der Betreiber, denn für dieses Mammutprojekt bedarf es einer engen Kooperation mit den ÖBB. Die Service-Verfügbarkeit in den Zügen können die Mobilfunker nicht alleine sicherstellen. Es wäre für keinen Mobilfunkanbieter wirtschaftlich sinnvoll, auf eigene Kosten und ohne Nutzung von Synergien einen kompletten Ausbau zu machen. Das ÖBB-Streckennetz erfordert, dass wir das Funknetz enorm verdichten. Die Anzahl der neu aufgestellten Sender könnte ein Land, wie zum Beispiel Montenegro, komplett versorgen. Dies macht die Relation sehr deutlich, dass es sich nicht nur um “ein paar“ Sender handelt.

Um unsere Kunden mit unseren Diensten (Sprache und Daten) in gewohnter Qualität erreichen zu können, müssen im Rahmen dieses Projektes auch die Zuggarnituren der ÖBB mit Repeatern – also Signalverstärkern – ausgestattet werden. Das ist erforderlich für den Erfolg dieses Projektes, denn einige Zugsgarnituren weisen sehr hohe Signaldämpfungen auf.

Kann es an der Geschwindigkeit der Züge liegen, warum der Empfang schlechter ist?
Driton Emini: Jein. Züge fahren bis zu 200 Stundenkilometer schnell und dies hat bedingten Einfluss auf die Empfangsqualität. Daher sind unsere Planer wirklich gefordert, technische Lösungen zu finden, um dieser bestehenden Herausforderung entlang der Bahnstrecken – wie etwa in Tunnelanlagen und auf freiem Feld – gerecht zu werden.

Mit welchen weiteren technischen Herausforderungen werden die Planer konfrontiert werden?
Driton Emini: Die Sicherstellung der Mobilität, das heißt das Weiterreichen eines Gesprächs oder Datentransfers (sogenanntes Handover) von einer Sendestation zur nächsten, stellt eine große Herausforderung dar. Alle Verbindungen befinden sich nur sehr kurze Zeit in einer Funkzelle – konkret nur einige Sekunden – und müssen dann an eine benachbarte Zelle weitergereicht werden. Dazu kommt eine Reihe von Tunnelanlagen entlang der Strecken, die ebenfalls versorgt werden müssen, damit das Mobilfunksignal nicht abbricht.

Welche Strecken werden mit dem neuen Ausbauprogramm in Zukunft versorgt werden?
Driton Emini: Gemeinsam mit der ÖBB werden die Strecken priorisiert und definiert werden. Bis Ende 2018 werden rund 1.450 km lückenlos versorgt sein. Beginnen wird voraussichtlich bei den hoch frequentierten Strecken im Wiener Schnellbahnnetz sowie die Strecke Wien Salzburg. Dann folgen S-Bahnbereiche in den Bundesländern sowie die Strecke Wien-Graz. Derzeit bauen wir beispielsweise schon intensiv an der Strecke Wien Mitte nach Flughafen Schwechat, die wir voraussichtlich im Dezember dieses Jahres schon in Betrieb nehmen können.

Welche Technologien werden ausgebaut?
Driton Emini: Wir werden gemeinsam mit den ÖBB-Technikern alle Technologien verstärken bzw. ausbauen. Das heißt die Qualität beim Telefonieren wird ebenso verbessert werden wie auch das Surferlebnis per 3G oder LTE. Der Ausbau von drei Technologien ist natürlich kostenintensiver als wenn man beispielsweise auf 3G verzichten würde. Wir wollen aber sicherstellen, dass wirklich jeder Kunde in den Genuss des Ausbaus kommt. Egal ob er das neueste Samsung- oder Apple-Smartphone mit LTE-Modul oder ein älteres Modell mit 3G-Empfang besitzt.

Warum bietet man nicht einfach kostenloses WLAN in den Zügen an?
Driton Emini: Das müssen sie die ÖBB fragen. Die ÖBB bekommt von ihren Gästen für ihre Dienstleistung bezahlt und was sie dann anbieten wollen und können, bleibt natürlich ihnen überlassen.

Wie geht es mit dem Netzausbau bei T-Mobile weiter?
Driton Emini: Mobilfunknetze sind immer schneller geworden. Vor 10 Jahren haben wir von 64 KB Sekunde Bandbreite gesprochen. Heute reden wir von 300 Megabit pro Sekunde. Die Technologie verändert sich in so einer rasend schnellen Geschwindigkeit, dass trotz des stark gestiegenen Bedarfs die Mobilfunknetze auch subjektiv für den Kunden schneller geworden sind. Allein T-Mobile investiert 300 Millionen Euro in den Ausbau der LTE-Infrastruktur.

Wie wird die Abdeckung von LTE am Ende dieses Jahres aussehen?
Driton Emini: Per Ende September 2015 bietet T-Mobile bereits eine LTE-Versorgung von rund 80 Prozent. Bei dem ambitionierten Tempo erreichen wir Ende des Jahres de facto LTE-Vollversorgung mit über 90 Prozent. Dies ist der größte Netzausbau unserer Unternehmensgeschichte.

Danke für das Interview.

Weitere Informationen zum Ausbau im Blog-Beitrag der ÖBB.

Weitere Informationen zum LTE-Ausbau bei T-Mobile:
Interview mit Technik-Chef Rüdiger Köster über den Netzausbau bei T-Mobile
Warum Handys nicht überall funktionieren (Interview mit Athanasios Avgeridis, verantwortlich für den Betrieb, die Optimierung und Qualitätssicherung des Netzes von T-Mobile) 

Verfasst von
Sie ist Pressesprecherin von T-Mobile Austria und Hauptredakteurin des 0676 Blogs. Sie interessiert sich seit der Jugend für Telekommunikation, Technologie und Mobilfunk.

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2 Kommentare

  • Oli says:

    Es wurde für die unterirdische S-Bahn-Stammstrecke bis Ende 2016 ein LTE-Ausbau angekündigt (siehe ÖBB Blog und dieser Beitrag).

    Im März 2017 gibt’s auf der unterirdischen S-Bahn-Stammstrecke zw. Matzleinsdorfer Platz – Hauptbahnhof Wien und Quartier Belvedere nach wie vor nur 2G. Auf Facebook habe ich daher angefragt, bis wann diese Zusage nun umgesetzt wird.

    Antwort: es ist gar kein LTE-Ausbau für diese Strecke geplant. Wie passt das nun mit der ÖBB-Vereinbarung und der Ankündigung zusammen?

    Ich ersuche um Stellungnahme!