Technik-Chef über den Netzausbau bei T-Mobile

15. Mai 2015 /

T-Mobile hat am 5. Mai mit TEST!, T-Mobile Einfach Selber Testen, mit dem größten Netztest der Unternehmensgeschichte begonnen (0676 Blog hat berichtet). Wir haben mit dem T-Mobile Technik-Chef Rüdiger Köster über den Netzausbau im Jahr 2015 und 2016 und den damit verbundenen Herausforderungen gesprochen.

Rüdiger Köster, CTO T-Mobile, über den Netzausbau 2015 und 2016.

Rüdiger Köster, CTO T-Mobile, über den Netzausbau 2015 und 2016.

Von 2013 auf 2014 gab es im T-Mobile-Netz einen 74prozentigen Anstieg des Datenverkehrs. Welche Herausforderung hatte dieses Wachstum auf das Mobilfunknetz?
Rüdiger Köster: Den Zuwachs des vorigen Jahres haben wir gut im Griff, für heuer braucht es allerdings mehr. Wir erleben ein enormes Wachstum des Datenverkehrs, unsere Kunden entdecken gerade eine neue Dimension der Nutzung. Der größte Teil des Wachstums betrifft Videostreaming in unterschiedlichen Formen. Dieser Trend hat aber gerade erst begonnen. In den USA war Netflix Ende letzten Jahres bereits für rund 35 Prozent des gesamten Datenvolumens verantwortlich, Österreich ist noch recht am Anfang.

Solche Verkehrsmengen können wir nur mit den neusten Technologien transportieren. Unser bestehendes 3G-Netz reicht bald nicht mehr aus. Daher rollen wir mit voller Kraft LTE (Anm.: Long Term Evolution, die vierte Mobilfunkgeneration, LTE und 4G genannt) in ganz Österreich aus und quasi nebenbei verstärken wir auch alle anderen Komponenten unseres Netzes (Anm.: technisches Equipment für Telefonie und 3G-Technologie). Dies reicht von den Anbindungen der Mobilfunkstationen mit moderner Glasfaser bis zu den entsprechen Kapazitäten und Funktionen in den zentralen Netzkomponenten. Wichtig zu sagen ist allerdings: wir bauen dort aus wo es für den Kunden wichtig ist. Wo Kapazität notwendig ist, dort werden wir sie zur Verfügung stellen. Die Ergebnisse der aktuellen TEST!-Kampagne werden wir natürlich auch in den Ausbau einfließen lassen.

Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten an dem LTE-Rollout mit?
Rüdiger Köster: Bei T-Mobile sind im Bereich Netz, intern Networks genannt, ungefähr 70 Mitarbeiter in unterschiedlichsten Rollen direkt mit dem LTE-Ausbau beschäftigt. Wir machen die Radio- und Transmissionplanung, kümmern uns um Mietverträge und Stromversorgungen und steuern den Bau. Außerdem sind auch andere Bereiche des Hauses massiv in den Rollout involviert. Die Abteilung Operations hat viel Arbeit, die neuen Stationen in das bestehende Netz zu integrieren und in Betrieb zu nehmen. Auch Finanzwesen und Einkauf haben erheblichen Aufwand mit unserem Rollout. Bei unserem Lieferanten arbeitet noch eine viel größere Zahl an Leuten an diesem Projekt. Wir bauen derzeit so viel wie nie zuvor.

Rüdiger Köster ist seit 2009 für den gesamten Technik- und IT-Bereich von T-Mobile verantwortlich.

Rüdiger Köster ist seit 2009 für den gesamten Technik- und IT-Bereich von T-Mobile verantwortlich.

Es werden 50 Stationen pro Woche an das LTE-Netz angebunden. Was steht da an Logistik dahinter?
Rüdiger Köster: Derzeit bauen wir sogar mehr als 50 Stationen pro Woche, worauf das Team ausgesprochen stolz sein kann. Wichtig ist, dass man rechtzeitig startet und möglichst die Prozesse standardisiert. Das Risiko und die Laufzeit werden hauptsächlich durch die Erstellung der Mietverträge mit den Standorteigentümern, die unterschiedlichen behördlichen Genehmigungen und die Transmissionanbindung bestimmt. Für unseren LTE-Ausbau geben wir mehr Standorte zur Akquisition aus, als wir bauen können. Dadurch kompensieren wir Ausfälle und lange Laufzeiten. Die übriggeblieben Standorte werden dann im nächsten Jahr gebaut. Mit dem LTE-Rollout 2014 haben wir bereits im Sommer 2013 begonnen und derzeit beschäftigen sich viele unserer Planer bereits mit dem Ausbau für das nächste Jahr.

Ein wichtiger Punkt ist auch die Optimierung. Die Umstellung auf LTE beeinflusst auch ältere Netzgenerationen stark (Anm.: die Technologien 2G, 3G und LTE müssen aufeinander abgestimmt werden, um Störungen zu vermeiden). Daher bessern wir auch hier ständig nach, um unseren Kunden eine Top-Qualität zu bieten.

Wie werden die Standorte für neue Sender ausgesucht?
Rüdiger Köster: Für das LTE-Projekt ist das recht einfach zu beantworten. Wir bringen LTE in ganz Österreich. Das bedeutet, dass wir praktisch alle bestehenden Standorte mit LTE aufrüsten. Die Reihenfolge wird dabei durch den tatsächlichen Bedarf unserer Kunden am schnellen Datendienst vorgegeben.

Werden beim Roll-Out Synergien mit anderen Netzanbietern geschlossen?
Rüdiger Köster: Das Thema Synergien begleitet uns täglich. Allerdings ist es in der Theorie wesentlich leichter als in der praktischen Umsetzung. Alle Betreiber versuchen aber Standorte möglichst weitgehend gemeinsam zu nutzen um hier Synergien zu schaffen.

Welche Netzabdeckung bietet T-Mobile?
Rüdiger Köster: Wir sind im Zieleinlauf beim LTE-Rollout. Ende dieses Jahres werden 9 von 10 Österreicherinnen und Österreicher von uns mit LTE versorgt sein, Ende 2016 wird die LTE-Versorgung nach Bevölkerung mehr als 97 Prozent betragen.

Ab sofort sind auf unserer Netzabdeckungskarte auch die Ergebnisse von individuellen Speedtests ersichtlich. Konkret bedeutet dies: Überall wo T-Mobile-Kunden einen Speedtest mit den gängigen Apps wie der RTR (Android und iOS) oder NetworkRadar (Android und iOS) durchführen, wird ab sofort in einem sechseckigen Feld auf der Netzabdeckungskarte angezeigt, welche Mobilfunktechnologie (LTE, 3G, EDGE) verfügbar ist und dass das Funktionieren des Daten-Netzes an diesem Ort „von Kunden bestätigt“ ist. Bei Klick auf das Testergebnis ist die genaue Adresse sowie die getestete Mobilfunktechnologie wie beispielsweise LTE ersichtlich. Ein Rückschluss auf Kundendaten ist nicht möglich, da die verwendeten Daten anonymisiert verwertet werden. Bis zu einem Zoom von fünf Kilometern sind die Sechsecke ersichtlich und können angeklickt werden.

Zur Person: Dr. Rüdiger Köster ist seit 2009 CTO (Chief Technical Officer) von T-Mobile Austria. Der geborene Deutsche begann seine berufliche Laufbahn 1990 bei der Deutschen Telekom, wo er bei der Einführung der 2G- und 3G-Technik mitwirkte. 25 Jahre später ist er für den größten Ausbau der Unternehmensgeschichte, dem LTE-Rollout, bei T-Mobile verantwortlich.

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Sie ist Pressesprecherin von T-Mobile Austria und Hauptredakteurin des 0676 Blogs. Sie interessiert sich seit der Jugend für Telekommunikation, Technologie und Mobilfunk.

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6 Kommentare

  • Christa Roesl says:

    T- Mobile LTE Netz kann ich nur sagen Hände weg. Habe 50MBit Tarif und wenn ich Glück habe 5-8MBit Download, und das seit ca.3 Jahren.
    Einfach Spitze.

    • T-Mobile Kundenservice says:

      Hallo Christa,

      wir schauen es uns gerne an. Könntest du uns bitte über Facebook oder Twitter direkt kontaktieren, da der Blog kein herkömmlicher Servicekanal ist und wir deine Daten benötigen werden.

      Wir werden sicher eine Lösung finden.

      LG, Armin

  • Wolfi says:

    Ihr macht das super. Ich hab grad 3 MBit im 50 MBit Tarif und das in Graz. Was sagt man dazu 🙂