2015: Das Jahr der „Wearables“, nicht nur für Apple Watch und Samsung Gear

09. Dezember 2014 /
Wo überall digitale Gadgets erwartet werden

Wo überall digitale Gadgets erwartet werden

Trotz großer Fanfare für digitaler Uhren wie Samsung Gear und Apple Watch: Das Handgelenk ist nur einer von vielen Hotspots, der sich an und um unserem Körper herum für „Wearables“ anbietet, der nächsten Welle digitaler  Accessoires. „Handgelenk, Brillen, Kopfhörer, Kleidung, Schuhe, Schmuck zählen zu den Hotspots für das Netz an Wearables, das um uns geflochten wird“, sagt JP Gownder, Chefanalyst bei Forrester Research ist. Er sieht 2015 als das Jahr, in dem Wearables den Sprung vom Gadget für Nerds zum mehrheitsfähigen digitalen Accessoire schaffen. „Die Wahrheit ist, die Leute wollen es und Unternehmen wollen Wearables für vielfältiges Zwecke“, erklärt Gownder bei der Konferenz LeWeb14 in Paris.

Zwei Zahlen, aus der Gownder diesen Wunsch ableitet: Zwar würden derzeit nur 10 Prozent der Amerikaner, gar nur 4 Prozent der Europäer tragbare digitale Accessoires verwenden, Armbänder wie die des erfolgreichen Linzer Startups Runtastic, um Fitnessdaten auszuwerten. Aber 40 Prozent der Smartphone-Nutzer in den USA, 21 Prozent in der EU, „sind es leid, dauernd ihr Smartphone ihr Tasche nehmen zu müssen, um an Information zu kommen.

Biometrische Daten vom Leiberl: Heute noch vor allem für Fitnessfans, morgen für jedwede Kleidung

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„Kleidung ist die naheliegendste Möglichkeit für alle Arten von Wearables, schließlich sind wir so gut wie immer bekleidet“, sagt Stephane Marceau. CEO von OMsignal aus Montreal. Das jüngste Aushängeschild seiner Techkleidung ist das Polo Tech Shirt von Ralph Lauren, das biometrische Daten seiner bodygebuildeten Träger zur Trainingsauswertung an eine App oder einen Computer überträgt. „Biometrische Daten für Training und Sport sind aber nur die erste Gruppe der Anwender“, erklärt Marceau, „irgendwann wird die Vernetzung unserer Kleidung mit digitalen Geräten so selbstverständlich sein wie das Armaturenbrett in einem Auto“.

Dabei müssen „Wearables“ gar nicht getragen werden, wie Withings Aura zeigt. Die Entwicklung des französischen Startups hilft, die persönlichen Schlafrhythmen für besseren Schlaf zu nutzen: Eine sensorbestückte Einlage wird unter die Matratze gelegt, erkennt Schlafphasen anhand der Körperbewegung, meldet sie an eine App, die wiederum mit wechselnden Licht- und Klangeinheiten die Schlafqualität verbessern soll. „Unsere Wearables wollen das Verhalten unserer User durch entsprechendes Feeback beeinflussen“, sagt Cedric Hutchings, CEO von Withings. Ein anderes Objekt, die klassisch wirkende Uhr „Activite“ hat nur eine Funktion dieser Art: Ein zusätzlicher Zeiger gibt dem Träger das Ausmaß der physischen Aktivität an einem Tag an, um zu ausreichender körperlicher Aktivität anzuregen — gesteuert in Zusammenarbeit mit einer App.

„Ich bevorzuge den Ausdruck ‚Bezaubernde Dinge‘ für diese neue Welt der Wearables“, sagt David Rose, der am Media Lab des MIT (Massachusetts Institute of Technology) an solchen „Enchanted Objects“ forscht. „Das legt den Designern die Latte höher für die Entwicklung.“ Seine Beispiele: Ein Schirm, dessen Griff bei Regenprognosen Biometrische Daten vom Leiberl: Heute noch vor allem für Fitnessfans, morgen für jedwede Kleidung und so daran bei der Wohnungstür ans Mitnehmen erinnert. Oder eine Medikamentendose, die gleichfalls durch Aufleuchten daran erinnert, dass es Zeit ist die Pillen einzunehmen und über Mobilfunk betreuenden Arzt oder Ärztin informiert. Gemessener Effekt: Eine Steigerung der Einnahmerate von 71 auf 98 Prozent.

„Wir werden noch staunen, wo uns Wearables überall begegnen“, sieht Gownder voraus. Etwa bei Koloskopien, die mittels Schlucken einer in einer durchsichtigen Kapsel verpackten Microkamera schmerzfrei durchgeführt werden kann. Oder demnächst in Schuhen, die uns mit einer taktilen Sohle durch den Asphaltdschungel navigiert. Ursprünglich für sehbehinderte Menschen im Rahmen eines Studienprojekts entwickelt, hat das indische Startup Ducere Technologies daraus die Schuhmarke Lechal gemacht.

Verfasst von
Helmut Spudich ist Unternehmenssprecher der T-Mobile Austria, zuvor Wirtschafts- und Technologie-Redakteur bei Der Standard, Wien.

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