Zu Besuch bei „Generation C“, den ConnectedKids

30. Januar 2014 /

„Connection, Creation, Community, Curation“: Als “Generation C” bezeichnen Jugendforscher inzwischen die Generation, die von Geburt an mit vernetzten Geräten wie Smartphones und Tablets aufgewachsen ist. „Generation C“ drückt inzwischen die Schulbank, wo vernetzte Klassenzimmer eher die Ausnahme, Schulbuch und analoge Medien die Regel sind. Dabei bereichern digitale Medien die Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche zu lernen und die Welt zu erfahren. In vielen Schulen wird diese neue Chance für motivierenden Unterricht erprobt. Jedoch bleiben bei Pädagoginnen und Pädagogen ebenso wie Eltern Unsicherheiten, wie die neuen Chancen durch überall verfügbarem Internet auf Smartphones und Tablets am sinnvollsten zu nutzen sind. Das Projekt „Connected Kids“, eine Initiative von T-Mobile, gibt die Möglichkeit, das vernetzte Klassenzimmer für eine Dauer von mehreren Wochen unter sachkundiger Begleitung von Dr. Paul Kral (früherer Leiter des Pädagogischen Instituts Wien) und einem Team engagierter digitaler Tutorinnen und Tutoren auszuprobieren. Die beteiligten Schulklassen werden für die Projektdauer mit Tablets und mobilen Internet-Hotspot (HOME NET) ausgestattet und können risikofrei die unerschöpflichen Möglichkeiten ausloten, die digitale Medien für Erwerb und Produktion von Wissen bieten.

Kinder der 1B erhalten ihre Tablets

Kinder der 1b erhalten ihre Tablets

Eine dieser Schulen ist die Neue Mittelschule in der Konstanziagasse im 22. Wiener Bezirk („KO50 Junior High & IT“). Edith Hülber, die Direktorin, empfängt die Redakteurinnen des 0676 Blogs freundlich und erzählt begeistert vom Einsatz der Tablets im Klassenzimmer. Insgesamt haben acht Klassen, rund 300 Kinder, in dieser Schule die Möglichkeit, ihren Unterricht mit Tablets mitzugestalten. Rund 100 vorinstallierte Apps unterstützen den Unterricht in den ersten und zweiten Klassen.

Wir wollten uns das genauer ansehen und haben einen Blick in die Klasse 1b geworfen. Schon bei der Ausgabe stellen sich die Mädchen und Buben sehr diszipliniert an und erhalten ihre Tablets, die sie in der nächsten Stunde für den Unterricht nutzen können. Für uns machen sie einen Schnelldurchlauf von mehreren Unterrichtsstunden und zeigen uns, wie sich ihr Unterricht mit Tablets gestaltet.

Zeichnenunterricht mit Tablets fördert die Kreativität

Zeichenunterricht mit Tablets fördert die Kreativität

Die Lehrerin, gerade wird Zeichnen unterrichtet, zeigt den Kindern eine App, in der man Bilder verändern kann. Die Kinder fotografieren sich nun gegenseitig und laden die Bilder auf das Tablet. Ihnen wird nun freie Hand gelassen – Bilder verfälschen, Rahmen einstellen, Texte hinterlegen und vieles mehr. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Wenn mehr Zeit ist, stellen Kinder sogar e-books zusammen – sie überlegen sich eine Geschichte und machen dafür Fotos und schreiben einen Text oder nehmen Audio-Dateien auf. Ein solches Buch wird uns stolz gezeigt: „Wie baue ich eine Vogelhaus?“. Neben Fotos und Text ist sogar ein „How-to“-Video eingebettet. Auf unsere Frage, wo das e-book gespeichert ist, kommt sofort „natürlich auf dropbox“. Beeindruckend, die Kinder kennen sogar Online Storage-Lösungen.

Die Mathe-App im Unterricht

Die Mathe-App im Unterricht

Genug gezeichnet, nun folgt Mathe. Sofort für uns zu erkennen: Was früher Mathekönig war, ist heute eine App, die neben rechnerischen Leistungen auch Geschick, Schnelligkeit und Auffassungsgabe erfordert. Ein Rechenbeispiel wird am unteren Bildschirmrand angezeigt und „Bubbles“ mit unterschiedlichen Ergebnissen erscheinen. Nun müssen die Kinder erfassen, wo welches Ergebnis steht und die richtige Blase antippen. Die Rechenbeispiele werden immer schwerer und am Ende zeigt die App an, wie gut man im Spiel war. Eins ist geblieben: die oder der Erste, der fertig ist, steht auf und schreit raus dass er/sie fertig ist.

Kinder können über die App "Waldfibel" interaktiv über die heimische Flora und Fauna lernen

Kinder können über die App „Waldfibel“ interaktiv über die heimische Flora und Fauna lernen

Nächstes Fach: Biologie. Die Kinder lernen über heimische Waldtiere und -pflanzen. Nicht nur die Frage, welches Tier gezeigt wird, auch das Geräusch des Tieres kann über die App „Waldfibel“ gleich angehört werden. Eine Klasse, in der man 20 Hirsche röhren hört, ist gewöhnungsbedürftig. Und auch sehr lustig – für alle. Wir fragen die Kids, ob sie eine Lieblings-App haben. Sofort „Länder und Flaggen raten“. Früher war es der gedruckte Schulatlas, heute ist es eine App. Wir versuchen das Ratespiel gemeinsam mit den Kindern. Den Umriss welchen Landes sieht man hier? Gute Frage, gemeinsam schaffen wir es.

Nun ist die Stunde schon vorbei und das Lied „Wer hat an der Uhr gedreht“ (das den akustischen Platz der Schulklingel eingenommen hat) ertönt. Wir danken der Klasse 1b und der Lehrerin dafür, dass wir einen Blick hinter die Kulissen werfen konnten.

Physik- und Chemie-Lehrer setzt Astronomie-Apps im Unterricht ein

Physik- und Chemie-Lehrer setzt Astronomie-Apps im Unterricht ein

In der zweiten Stunde wechseln wir mit der Frau Direktorin das Klassenzimmer und besuchen den Physik- und Chemielehrer in seinem Labor. Auf den ersten Blick: Das Klassenzimmer scheint sich in den letzten 20 Jahren nicht verändert zu haben. Der Lehrer ist allerdings ein wahrer „App-Kenner“ und erzählt uns sofort von seiner Lieblingsapp: „Solar Walk – 3D Sonnensystem„. Damit kann man mehr über die Nachbarplaneten erfahren, durch Wischen den Blickwinkel auf die Erde ändern, tief in das Sonnensystem eindringen, Videos ansehen und vieles, vieles mehr. Der Professor ist begeistert, seine Schülerinnen und Schüler auch.

Unser Fazit nach zwei Stunden in der Schule:

Erstens: Die Kinder heute kennen sich schon (fast) besser mit Tablets aus als wir. Sie haben uns während des Unterrichts sogar noch ein paar Tipps gegeben, „Generation C“ eben.

Zweitens: Technik ersetzt keine Lehrerinnen und Lehrer. Sie bleiben die Gestalter des Lernprozesses. Allerdings ist die Unterstützung durch Tablets ein sehr großer Vorteil für Kinder. Nicht nur, dass sie von Anfang an lernen damit umzugehen, die digitalen Medien bringen zusätzlichen Nutzen durch interaktive Wissensvermittlung. Fast alle Sinne — bis Hersteller auch eine Lösung für das Riechen finden — werden durch Tablets unterstützt. Overhead-Projektor war gestern, Projektion übers Tablet ist heute.

Drittens: Sinnvoll sind digitale Medien nur, ganz so wie bisher Schulbücher, wenn sie jedem Kind individuell zur Verfügung stehen, und nicht nur in ein oder zwei Exemplaren in Form eines „Klassenunterrichts“. Privatschulen werden über kurz oder lang ihre Kinder mit neuen Technologien ausstatten, bei öffentlichen Schulen ist die Finanzierung ungewiss. Unser Projekt „connectedKids“ soll zeigen, wie sinnvoll der individuelle Einsatz von Tablets in Schulen ist und als Vorzeigebeispiel dienen. Vielleicht haben wir damit einen kleinen Schritt in Richtung „digitale Schulklasse“ gemacht.

P.S.: Am Montag, 28. April 2014, findet eine öffentliche Abschlussveranstaltung von „connectedKids“ im T-Center statt, die Lernerfahrungen aus den Projekten zeigt und durch kurze Keynotes einen Überblick über die Entwicklung gibt. Mailen Sie uns, wenn Sie zu dieser Veranstaltung eingeladen werden wollen.

Projektbeschreibung connectedKids

Verfasst von
Sie ist Pressesprecherin von T-Mobile Austria und Hauptredakteurin des 0676 Blogs. Sie interessiert sich seit der Jugend für Telekommunikation, Technologie und Mobilfunk.

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

1 Kommentar

  • Paul Kral says:

    Wer die „Schätze“ – manche sagen auch dazu „Talente“ – bei den Kids heben will, sucht neue pädagogische Werkzeuge (neben Heft, Buch, Tafel). Mobile Geräte am Arbeitstisch der Kids in der Klasse helfen, ihre Welt, ihre Interessen, ihre Neugiere zu veranschaulichen, zu vermessen, zu erforschen und besser zu verstehen. Die Kids holen sich Daten und Informationen – das in individueller Tiefe – und formen damit ihr Wissen. Chancen, die es bisher so nicht gab. Schule braucht Neugier.

    Paul Kral,
    beeindruckt von den Kids, die stolz im Zeigen sind, was sie alles mit Apps „anstellen können“. Ob sie es merken, dass sie lernen, üben, präsentieren? Egal. Wichtig, dass die Freude erhalten bleibt, die Motivation hoch ist und das Lernen gelingt.