Jetzt kommt „UHD-TV“: Gnadenlose Schärfe

06. September 2013 /
Fußball-WM wir kommen: Zweieinhalb Meter Bildschirmdiagonale in "Ultra HD" von Samsung. / F: spu

Fußball-WM wir kommen: Zweieinhalb Meter Bildschirmdiagonale in „Ultra HD“ von Samsung. / F: spu

3-D-Fernsehen war gestern (obwohl in kaum einem Wohnzimmer Realität), jetzt kommt „UHD“ oder „4K“ — Ultra High Definition, auch unter dem Kürzel 4K (für die Auflösung von 4096 x 2304 Pixel) bekannt. Zum Vergleich: Derzeit verbreitetes HD-Fernsehen („2K“) hat eine Auflösung von 1920 x 1080 Bildpunkte. Die durch 4K generierte Datenmenge ist jedoch nicht, wie die Ziffern suggerieren, das doppelte, sondern rund das vierfache. Und Der visuelle Unterschied ist tatsächlich atemberaubend, wenn man vor einem der Riesenbildschirme mit 4K-Auflösung steht: Gnadenlose Schärfe, vor der sich die Maskenbildner der TV-Anstalten jetzt schon fürchten.

Ausgelöst wird der Trend zum Ultra-HD von den weiter zunehmende Bildschirmgrößen, sagen Hersteller wke Samsung: Wenn der Fernseher erst einmal eine Bildschirmdiagonale von zweieinhalb Meter hat (Samsungs 110 Zoll UHD-TV) dann wird es wieder pixelig. Vorausgesetzt man steht wirklich sehr nahe, denn man müsse nach Expertenmeinungen schon weniger als zwei Meter vor einem 55-Zoll-HD-Fernseher stehen, um noch einzelne Pixel erkennen zu können.

Dennoch: Die Hallen bei der Unterhaltungselektronikmesse IFA in Berlin sind voll mit den neuen UHD-TV-Geräten von renommierten Herstellern wie Samsung, Sony oder Panasonic, um stattliche 4000 Euro ist man beispielsweise beim Samsung F9000 mit 55 Zoll Bildschirmdiagonale dabei. Folgt man Toshibas Argumentation, kann man in kleinen Wohnzimmern ein 46-Zoll-HD-Gerät durch 84 Zoll UHD ersetzen (und dafür rund 20.000 Euro hinlegen) ohne eines einzelnen Pixel angesichts zu werden. Als Preisbrecher erweist sich die chinesische Hisense, dessen UHD-Gerät um 2000 Euro auf den Markt kommt — ironischerweise im Vertrieb der Luxusmarke Loewe, die mit Hisense als strategischen Partner darum ringt, den wirtschaftliche Niedergang der High-End-Marke abzuwenden.

Letztlich wird die Hardware-Produktion den schrittweisen Ersatz von HD durch UHD vorantreiben, nicht die Inhalte. Denn so wie 3-D eine fast automatische Beigabe der aktuellen HD-Generation ist, ohne dass im Wohnzimmer auch tatsächlich dreidimensionales vor der Couch erscheint, wird die höhere Pixelzahl, zusammen mit den ständig leistungsfähigeren elektronischen Komponenten einfach die bisherige Produktion ablösen.

Für wirkliches 4K fehlt hingegen noch viel, von einem tatsächlichen Standard für die produzierende Industrie, bis zu neuen Verbindungsstandards (HDMI könnte ebenso wenig 4K-Filme durchleiten wie Kabelnetze oder Blu-Ray-Player) und vor allem in 4K produzierte Filme oder TV-Programme. In der Zwischenzeit rechnet die Elektronik im TV-Gerät vorhandenes Material in 4K um, was für leicht schärfere Bilder sorgt.

Der Trend zu gnadenloser Schärfe — Filme in 4K wirken wie computergenerierte Spiele, da alle Details in unglaublicher Brillanz dargestellt werden — ist technisch logisch, in unserer Bildwelt jedoch paradox: Denn sowohl im Film als auch in der Fotografie erfreuen sich Verfremdungsfilter täglich millionenfacher Beliebtheit. Ob im Retrolook wie altes Filmmaterial oder Polaroid, oder in frei erfundenen Fantasien a la Instagram: Wir wollen die Wirklichkeit offenbar lieber durch die sprichwörtliche rosa Brille als in der Schärfe von 4K sehen.


Verfasst von
Helmut Spudich ist Unternehmenssprecher der T-Mobile Austria, zuvor Wirtschafts- und Technologie-Redakteur bei Der Standard, Wien.

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1 Kommentar

  • Ben Mueller says:

    Ich war von der IFA und dem diesjährigen Ultra-HD Trend mehr als beeindruckt. Nachdem nun auch noch das HDMI-Forum den 2.0 HDMI Standard verabschiedet hat werden sicherlich fast wöchentlich von verschiedenen Herstellern die neuen Produkte präsentiert und somit auch der Druck auf die Film- und TV-Industrie stetig steigen.