„Über Integration wird locker geredet. Es zu tun ist verdammt schwierig.“

18. Juli 2017 /

Integration braucht Jobs. T-Mobile stellt dies seit 2010 bei der Ausbildung von jungen unbegleiteten Flüchtlingen in den Shops fest. Die Jugendlichen sprechen die neu erlernte Sprache täglich mit Kunden und Kollegen, soziale Kontakte werden geknüpft, Freundschaften entstehen. Sie tragen mit ihren speziellen Fähigkeiten zum Unternehmenserfolg bei, dies stärkt ihr Selbstwertgefühl und die gewonnene Sprachenvielfalt bringt T-Mobile neue Kunden. Dass eine Zusammenarbeit von unterschiedlichen Kulturen eine Win-Win-Situation für beide Seiten werden kann, weiß auch Simon Kravagna, Chefredakteur des monatlich erscheinenden Migrantenmagazins „dasBiber“. Fünfzehn geflüchtete Medienschaffende haben vier Monate in der Biber-Akademie an ihrem beruflichen Neustart in Österreich gearbeitet und dem Magazin neue Perspektiven gebracht. Wie diese genau aussieht, kann in der aktuellen Refugee-Ausgabe nachgelesen werden und zudem kann man sich von dem Können geflüchteter Filmemachern überzeugen. Der 0676 Blog hat Simon Kravagna zu einem Erfahrungsaustausch getroffen.

Simon Kragvana ist Chefredakteuer von dasbiber.

Simon Kragvana ist Chefredakteuer von dasbiber.

Das Magazin dasbiber engagiert sich bei der Ausbildung von Nachwuchsjournalisten spezielle auf junge Menschen mit Migrationshintergrund. Weshalb ist es euch wichtig, auch speziell geflüchtete Medienschaffende anzusprechen?
Simon Kravagna: Wir glauben, dass unser Magazin besser wird, wenn wir gemeinsam mit KollegInnen aus Syrien oder Afghanistan Stories recherchieren, die mit den Themen Flucht und Migration zu tun haben. Schon die Sprachkenntnisse helfen enorm, aber natürlich auch die Erfahrungen unserer KollegInnen mit ihren Landsleuten. Die Sommer-Ausgabe wurde durch Teams gestaltet, in dem wir immer einen Biber-Redakteur gemeinsam mit einem geflüchteten Kollegen arbeiten ließen. Gemeinsam kamen so Stories zustande, die wir alleine nicht in dieser Qualität geschafft hätten.

Wie wurden die geeigneten Kandidaten für die Akademie ausgewählt?
Simon Kravagna: Das AMS Wien hat 65 Flüchtlinge, die in ihrer alten Heimat im Medien oder Kommunikationsbereich gearbeitet haben, zu einem Assessment-Tag mit uns und einer Sprachlehrerin geladen. In mehreren Schritten haben wir 15 Kandidaten ausgewählt. Das war sehr schwierig weil wir wollten allen eine Chance geben, hatten aber eben nur begrenzte Plätze.

Welche Schwerpunkte habt ihr in dem viermonatigen Kurs gesetzt?
Simon Kravagna: Ein Drittel des Kurses war ein Sprachkurs auf B2 Level, also 12 Stunden pro Woche, vier Monate lang. Das ist schon ein recht hohes Niveau und fordert die Kursteilnehmer enorm. Parallel dazu gab es anfangs Workshops und Vorträge durch österreichische Journalisten, aber auch Besuche bei Medienunternehmen. Ab der Mitte des Kurses haben wir vor allem konkret an Stories und Videos gearbeitet. Das Ziel war, die Fähigkeiten der Teilnehmer in einem deutschsprachigen Umfeld zu trainieren.

Ist es eine Herausforderung für die Teilnehmer, beruflich in Österreich Fuß zu fassen?
Simon Kravagna: Es ist eine Illusion zu glauben, dass man als syrischer Journalist hier im alten Job arbeiten kann. So wie auch wir nicht in Syrien Journalisten sein könnten. Da fehlt einfach die sprachliche Fähigkeit. Aber viele unserer Teilnehmer waren Kameraleute, Grafiker oder Fotografen. Hier ist es viel einfacher bei uns einzusteigen. Die Journalisten gehen etwa in einem ersten Schritt in Institutionen, die mit Flüchtlingen arbeiten und können dort als Dolmetscher oder Berater einsteigen.

Wie bereichert euch als Redaktionsteam die Erfahrungen der geflüchteten Journalisten?
Simon Kravagna: Über Integration wird locker geredet. Es zu tun ist verdammt schwierig. Wir können jetzt selbst besser abschätzen, welche Schwierigkeiten es macht, Flüchtlinge etwa in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Eine Bereicherung war natürlich das Insider-Wissen unserer KollegInnen über ihre Landsleute – und manchmal ist es einfach auch toll zu erfahren, welcher Syrer in Wien am besten kocht.

Die Sommer-Ausgabe des Magazins ist von den Absolventen der Biber-Akademie gemeinsam mit den Redakteuren gestaltet worden. Welche Themen werden darin aufgegriffen?
Simon Kravagna: Leichte und heftige Themen. Die leichten zuerst: Welche kulturell bedingten aber lustigen Missverständnisse sind typisch für Menschen, die nach Österreich geflüchtet sind. Oder wie ist es mit dem Flirtverhalten unter jungen Leuten im Vergleich „hier wie dort“. Die schwierigen Themen behandeln jene Bereiche, die uns in Österreich große Sorgen machen. Etwa das Frauenbild vieler afghanischer Männer und auch das Thema Gewalt gegen Frauen.

Unter den Absolventen befinden sich auch Videojournalisten aus Syrien, die für T-Mobile drei Kurzfilme gestaltet haben. Wie entstand die Idee zum Film „10 Ways to say hello in our universe“?
Simon Kravagna: Die meisten Ideen entstehen im Gespräch, eher so beiläufig. Konkret ist aber Video-Macher Amar Baghdadi einfach ein kreativer Kopf. Wir stellen uns ja Flüchtlinge oft falsch vor. Amar ist eher Kosmopolit. Er ist aus Syrien, hat in Wales Marketing studiert, später in Kairo für ein Football-Team gearbeitet bis er dann am Schluss aus Syrien flüchten musste.

Wie geht es jetzt für die Absolventen weiter?
Simon Kravagna: Von unseren 15 TeilnehmerInnen werden zumindest zehn ein Arbeitstraining in einem Unternehmen absolvieren oder sind bereits dabei. Ein Arbeitstraining ist eine Art unbezahltes Praktikum, um einfach hier in Österreich Praxis und Erfahrung zu sammeln. Einer hat überhaupt gleich einen Job gefunden. Also das ist schon eine stolze Bilanz.

Danke für das Gespräch!

T-Mobile unterstützt mit der Initiative #ConnectRefugees die Biber-Akademie für geflüchtete Medienschaffende und stellt die Arbeiten von Filmemacher aus Syrien, die sich mit dem Thema Integration kreativ auseinander setzen vor.

Verfasst von
Sie ist CSR-Managerin bei T-Mobile Austria. Sie radelt täglich zur Arbeit und lebt für und im "grünen Lifestyle".

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