Data Intelligence schafft neues Wissen

24. März 2017 /

Dank der Unterstützung der Deutschen Telekom, der Mutter von T-Mobile Austria, entsteht an der TU Wien ab Herbst dieses Jahres eine neue Stiftungsprofessur für Data Intelligence. Hinter dem sperrigen Anglizismus verbirgt sich ein Thema, das uns alle betrifft. Denn: Wir alle produzieren permanent eine immer größere Menge an Daten. In den meisten Fällen, ohne sich darüber bewusst zu sein: Wenn wir etwa im Auto unterwegs sind, helfen wir Verkehrsinformationssystemen dabei, aktuelle Informationen zu sammeln. Diese dienen dann etwa als Grundlage für Staumeldungen, über die uns unsere Navigationsgeräte oder -apps informieren. Ein solcher Verkehrsbericht in Echtzeit ist ein Anwendungsbeispiel für Data Intelligence. Kurz gesagt ist Data Intelligence die Kunst, Daten in Informationen, Informationen in Wissen und Wissen in Wert zu verwandeln.

Smartphone als fleißiger Datenproduzent
Ganz besonders viele Daten produziert dabei unser Smartphone. Kein Wunder: Wir haben es ja immer mit dabei und nutzen es durchschnittlich über 200 mal pro Tag. Mobilfunker verfügen deshalb über ganz besonders große Bestände von Daten. Ihnen obliegt es einerseits, diese Informationen, insbesondere wenn es sich dabei um persönliche Daten handelt, zu schützen. Andererseits schlummern gerade auch in anonymen Daten jede Menge Informationsschätze, die es zu heben gilt.

Um bei dem Beispiel mit den Staumeldungen zu bleiben: Es ist für Verkehrsmeldungen völlig unerheblich, ob der Herr Maier oder der Herr Huber gleichzeitig auf der Wiener Tangente unterwegs ist. Ausschlaggebend allein ist, wie viele Autofahrer sich wie schnell gleichzeitig über einen bestimmten Bereich von Österreichs meistbefahrener Autobahn bewegen. Oder auch stehen, wenn es sich eben staut. Dass ist genau dann der Fall, wenn sich eine große Anzahl  von Smartphones auf der Autobahn nicht bewegen.

Internet der Dinge sorgt für Datenexplosion
Weil die weltweite Vernetzung weiter voranschreitet und mittlerweile auch Maschinen umfasst (Machine-to-Machine und Internet der Dinge), steigt die Anzahl der Daten rasant weiter an. Damit wachsen die Möglichkeiten, aus diesen Daten neue Erkenntnisse zu gewinnen, oder ganz neue Services zu kreieren.

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Rüdiger Köster, CTO T-Mobile Austria

Data Intelligence hilft dabei, eine der größte Herausforderung unserer Zeit zu meistern: Ressourcen zu sparen und Vorhandenes viel effizienter einzusetzen. „Die Steuerung der zukünftigen Megacities wird ohne Data Intelligence gar nicht mehr möglich sein“, ist Rüdiger Köster, CTO von T-Mobile Austria überzeugt. Dabei verweist er auf zahlreiche Smart-City-Anwendungen, die den wachsenden Städten dabei helfen, Energie, Emissionen oder auch Platz zu sparen. Ein Smart-Parking-System, wie es T-Mobile Austria gerade vor seiner Zentrale testet, ist nur ein Beispiel dafür.

Data Intelligence ist nicht nur Sache der Wirtschaft
Die intelligente  Nutzung von Daten ist nicht  Sache der Wirtschaft alleine. Denn die Erkenntnisse daraus schaffen nicht nur wirtschaftliche Werte, sondern auch gesellschaftliche. Es ist deshalb wichtig, Grundlagenforschung in diesem Bereich zu betreiben. Genau das ist Aufgabe der Universitäten.

Wien. Neue Stiftungsprofessur für Data Intelligence an der TU Wien. Die Stiftungsprofessur wird durch Unterstützung der T-Mobile Austria Mutter Deutsche Telekom möglich. Hannes Werthner, Dekan der Fakultät für Informatik, TU Wien

Hannes Werthner, Dekan der Fakultät für Informatik an der TU Wien

Die Fakultät für Informatik der TU Wien ist im deutschsprachigen Raum die größte ihrer Art und gehört zu den besten 15 bis 20 Adressen in Europa. „Wir sind gerade dabei, den Bereich Data Intelligence weiter auszubauen“, sagt Hannes Werthner, Dekan der Fakultät für Informatik. Ab Herbst soll es ein neues, englischsprachiges Masterstudium zum Thema Data Intelligence geben. Voraussichtlich ab 1. Oktober 2017 wird eine auf fünf Jahre befristete Stiftungsprofessur eingerichtet, die auf die Forschung in den Bereichen Data Analytics und Intelligent Interaction fokussiert ist. Möglich gemacht hat diese Stiftungsprofessur die Mutter von T-Mobile Austria, die Deutsche Telekom, mit ihrer Unterstützung.

Wien. Neue Stiftungsprofessur für Data Intelligence an der TU Wien. Die Stiftungsprofessur wird durch Unterstützung der T-Mobile Austria Mutter Deutsche Telekom möglich. Björn Hohmann, Leiter Govern. & Funding, T-Labs

Björn Hohmann, Leiter Gov. & Funding und Mitglied der Geschäftsführung T-Labs der Deutschen Telekom

Brücke zwischen Wirtschaft und Forschung
Konkret läuft diese Kooperation über die Forschungs- und Entwicklungseinheit der Deutschen Telekom, die Telekom Innovation Laboratories kurz T-Labs und die TU Berlin. Zur Erläuterung: Die T-Labs sind als so genanntes An-Institut, eine als Public Private Partnership organisierte wissenschaftliche Einrichtung, mit der TU-Berlin verbunden. Derzeit melden die T-Labs jährlich etwa 50 neue Patente an. Insgesamt kommt die F&E-Einheit der Deutschen Telekom seit ihrem Bestehen auf 401 Einreichungen in 983 Patentfeldern. „Wir sind die Brücke zwischen Forschung und Wirtschaft“, bringt es Björn Hohmann, Leiter Gov. & Funding und Mitglied der Geschäftsführung T-Labs der Deutschen Telekom, auf den Punkt. Ausschlaggebend dafür, sich die TU Wien als neuen Kooperationspartner mit an Bord zu holen, wären deren Kompetenzen zum Thema intelligente Technologien sowie deren Gespür für die Industrie gewesen.

Stiftungsprofessur ist eine Premiere
Die Zusammenarbeit mit Universitäten ist für T-Mobile Austria zwar nicht neu. Das Modell der Stiftungsprofessur stellt allerdings eine Premiere dar. Die TU Wien freut sich nicht nur über die finanzielle Unterstützung für die Stiftungsprofessur. „Ein Mobilfunkunternehmen ist auch deshalb ein idealer Partner für uns, weil es über viele Daten verfügt“, erläutert Werthner. Daten, die auch für die Grundlagenforschung herzlich willkommen sind. In der Informatik werde Grundlagenforschung meist gleichzeitig angewandt, weil man mit Daten aus „wirklichen Leben“ arbeiten würde.

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TINKA, T-Mobiles interaktive Kommunikationsassistentin

Tinka wird „intelligent“
Ein ganz konkretes Projekt, bei dem die Fakultät für Informatik der TU Wien und T-Mobile bereits kooperieren, ist Tinka. Die Kommunikations-Assistentin hilft schon seit einiger Zeit den Besuchern der Web-Site von T-Mobile weiter. Monatlich chattet der Bot  mit 50.000 Kunden und beantwortet etwa 120.000 Fragen. Tinka ist zwar imstande, 2.000 individuelle Antworten zu geben. Selbstständig denken kann sie allerdings nicht. Genau das wollen ihr T-Mobile und die TU Wien aber nun beibringen – und zwar durch Machine Learning.

Machine Learning ist eine Form von Data Intelligence. Dabei lernen Computer ähnliche wie Menschen: Wenn etwa ein Kinde einhundertmal einen Apfel sieht und die Eltern sagen, dass dies ein Apfel ist, dann wird es das ab einem bestimmten Zeitpunkt selbst erkennen. Beim maschinellen Lernen analysieren Computer unzählige Daten und ermitteln Muster. Diese Muster dienen dann als Basis dafür, Aussagen über neue Problemstellungen zu treffen. Bei Tinka wird es anfangs darum gehen, dass sie die Fragen der User besser versteht. „Tinka ist ein Beispiel dafür, wie sich mit Data Intelligence das Kundenservice verbessern lässt“, erläutert T-Mobile Austria CTO Köster.

Mobilfunker nehmen neue Rollen ein
Die Kooperation mit der TU Wien in Sachen Data Intelligence ist auch ein Zeichen dafür, wie sich die Rolle eines Mobilfunkunternehmens wandelt. Die Vernetzung von Maschinen (M2M) oder ganz generell von Dingen (IoT) stellt zunächst einmal völlig neue Anforderungen an die Infrastruktur. Diesen Anforderungen soll das neue 5G-Netz gerecht werden. Köster betont: „Für die Mobilfunker selbst stellt 5G einen Paradigmenwechsel dar. In den letzten 20 Jahren waren wir damit beschäftigt, Sprache und Daten zu verschicken. Jetzt stoßen wir in völlig neue Geschäftsfelder vor, die auch sehr viel mit Anwendungen zu tun haben.“

Mobilfunker werden also in Zukunft immer mehr damit beschäftigt sein, Daten nutzenbringend und verantwortungsvoll zu nutzen. Data Intelligence ist also auch für T-Mobile ein Thema von höchster Relevanz. Wie schnell die Entwicklung voranschreitet, kann T-Mobile Austria an eigenen Zahlen ablesen. Allein im Jahr 2016 wird das Unternehmen eine Million M2M-SIM-Karten ausgegeben haben. BMW sei etwa ein wichtiger Abnehmer solcher speziellen SIM-Karten.

Lokale Partnerschaften sind wichtig
Köster ist davon überzeugt, dass beim Thema Data Intelligence Player aus Europa auch gegenüber den großen IT-Konzernen aus den USA durchaus gute Karten haben. Denn wenn es um die Vernetzung von Maschinen und Geräten geht, hätte die Wirtschaft des alten Kontinents in den Bereichen Sensorik, Maschinenbau, Gesundheit oder auch Automotive eine bessere Expertise. Für Player aus Europa spreche auch deren verantwortungsvollere Umgang mit Daten.

Welche Erkenntnisse und Ergebnisse die Stiftungsprofessur hervorbringen wird, ist noch völlig unbekannt. Schließlich handelt es sich um einen freien Lehrstuhl und die Themen werden autonom gewählt. Fest steht, dass das Institut für Informatik die Grundlagenforschung im zukunftsträchtigen Bereich Data Intelligence weiter vorantreiben kann.

Verfasst von
Rainer Seebacher ist freier Journalist mit Hang zu digitalen Themen.

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