So wird das Smartphone zur modernen Brieftasche

03. Mai 2016 /
So wird das Smartphone zur modernen Brieftasche So wird das Smartphone zur modernen Brieftasche

Das Zahlen mit App und Smartphone ist bequemer, schneller, sicherer als mit Bargeld und in Österreich auch schon seit einiger Zeit möglich. Trotz all dieser Vorteile zahlen die Österreich immer noch meistens bar. Die NFC-Funktion auf den Bankomatkarten hat zumindest ein wenig Bewegung in die Zahlungsgewohnheiten gebracht. Eine gute Voraussetzung dafür, dass sich die mobile Bankomatkarte am Smartphone auch bald durchsetzen wird und das Handy endgültig zur modernen Brieftasche wird.

Österreicher lieben Cash
Wenn es ums Zahlen geht, dann sind die Österreicher höchst konservativ: Im stationären Handel zahlen 80 Prozent der Kunden bar, 14 bis 15 Prozent benützen eine Maestro-Karte und nur 2 bis 3 Prozent zücken eine Kreditkarte, wie Gerald Gruber, Chef von Mastercard Österreich in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin trend vorrechnete. Eine Studie, die die Payment Services Austria bei den WU-Professoren Hanns Abele und Guido Schäfer in Auftrag gab, berichtet gar von einem Bar-Anteil von 89 Prozent. Demnach liegt Österreich über dem EU-Schnitt von 86 Prozent. Zum Vergleich: In Schweden beträgt der Bar-Anteil nur noch 44 Prozent.

NFC-Funktion ist zu wenig bekannt
Die Einführung von NFC-fähigen Bankomatkarten hat die Bezahlgewohnheiten etwas aufgerüttelt. Es reicht, diese Karten an das Bezahlterminal zu halten, und die Rechnung ist beglichen. Lediglich bei Beträgen über 25 Euro ist die Eingabe des PINs notwendig. Seit 2013 bringen die heimischen Banken diese Karten an alle ihre Kunden in Umlauf. Ende 2015 waren bereits 84 Prozent aller österreichischen Bankomatkarten damit ausgestattet, wie die Zahlungsmittelumfrage der Österreichischen Nationalbank belegt. Die vom Institut für empirische Sozialforschung (IFES) durchgeführte Studie zeigt aber auch, dass sich viele Bankomatkartenbesitzer dieser Funktion ihrer Karte noch gar nicht bewusst sind: Denn nur 30 Prozent der befragten Personen geben an, über eine NFC-fähige Bankomatkarte zu verfügen. Immerhin: Damit ist im Vergleich zur letzten Umfrage 2014 der Wissensstand hinsichtlich dieser Funktion deutlich gestiegen (17 Prozent).
Kontaktloses Zahlen ist beliebt
Alle die wissen, dass sie mit ihrer Bankomatkarte auch kontaktlos bezahlen können, nutzen diese Funktion aber gerne. Diesen Schluss lässt die Studie „Zahlungsverkehr in Österreich“ zu, die die GfK im Auftrag der Wirtschaftskammer durchgeführt hat. Im Jahr 2015 haben sich die Transaktionen an den POS-Kassen im Vergleich zu 2014 verdreifacht und die getätigten Umsätze sind gleich um 226 Prozent auf 730 Millionen Euro gestiegen. Besonders im Lebensmittelhandel ist diese Art des Bezahlens überaus beliebt: Mehr als drei Viertel aller Bankomatzahlungen werden bereits kontaktlos durchgeführt.

Mit mobiler Bankomatkarte ist Bezahlen noch einfacher
Noch komfortabler ist das Bezahlen mit der mobilen Bankomatkarte, die in Österreich seit Sommer letzten Jahres bei einigen Banken zu haben ist. Der Bezahlvorgang mit dem Smartphone funktioniert dabei genauso wie mit einer NFC-fähigen Bankomatkarte: Einfach das Gerät samt aktivierter App über das Bezahlterminal halten und bei Beträgen über 25 Euro die Transaktion mit Ihrem PIN-Code bestätigen. Gegenüber der NFC-fähigen Plastikkarte bietet die mobile Bankomatkarte am Smartphone noch eine ganze Reihe von Vorteilen:

  • Das Smartphone allein reicht aus, um zu bezahlen. Die Geldbörse kann zuhause bleiben.
  • Die mobile Bankomatkarte zeigt dem Nutzer auf Knopfdruck einen Überblick über alle Transaktionen.
  • Den Verlust eines Smartphones bemerkt man in der Regel schneller als den der Geldbörse: Bezahl-App und SIM-Karte lassen sich rascher sperren. Das erhöht den Schutz vor Verlust erheblich, denn solange Bankomatkarte oder Kreditkarte nicht gesperrt sind, können sie missbräuchlich verwendet werden. Und das Bargeld in der Brieftasche wäre sowieso weg.
  • NFC-fähige Bezahlterminals sind sowohl in Österreich als auch im Ausland weit verbreitet. Das Zahlen mit der mobilen Bankomatkarte ist also schon an sehr vielen Plätzen möglich.
  • Für die mobile Bankomatkarte gelten dieselben strengen Sicherheitskriterien wie bei der kontaktlose NFC-Plastikkarte. Zusätzlich dazu ist die Bankomatkarte am Smartphone noch mit einem mPIN geschützt, den der Nutzer alleine bestimmt.

Um die mobile Bankomatkarte nutzen zu können, muss das Smartphone einige technische Voraussetzungen erfüllen. Das einmalige Einrichten der mobilen Bankomatkarte selbst ist in wenigen Schritten zu bewerkstelligen.

Bargeld ist volkswirtschaftlich teuer
Das Bezahlen übers Smartphone bringt aber nicht nur dem Nutzer selbst eine Reihe von Vorteilen. Kunden wie Shopbetreiber profitieren von den kürzeren Wartezeiten an der Kassa, weil das mobile Bezahlen einfach schneller geht, als mit Bargeld zu hantieren. Da Bargeld selbst auch transportiert werden muss, ist dafür eine eigene gesicherte Logistik notwendig. Diese kostet der österreichischen Volkswirtschaft im Jahr um die 1,2 Milliarden Euro (Studie).

Über 300 mobile Payment Lösungen
Die mobile Bankomatkarte ist allerdings nur eine von vielen Formen von mobile Payment. Weltweit gibt es geschätzt 300 unterschiedliche mobile Bezahllösungen. Auch in Österreich hat das Zahlen mit dem Handy schon eine lange Tradition. Man bedenke Dinge wie Parkschein am Handy. So richtig schnell, einfach und sicher wurde das mobile Bezahlen aber erst am Smartphone.

Bezahlen mit Handy per Selfie
Die weltweit wichtigsten Systeme in Sachen mobile Payment kommen von IKT-Konzernen und heißen Android Pay, Apple Pay, Samsung, PayPal (Ebay) und selbst Facebook arbeitet an einer mobilen Payment-Lösung. Die IT-Konzerne kooperieren dabei mit Banken und Kreditkartenunternehmen, die aber auch selbst mit innovativen Bezahlmöglichkeiten aufhorchen lassen. So will Mastercard sein System „Selfie Pay“ nächstes Jahr auch in Österreich auf den Markt bringen. Dabei bezahlt der User mit seinem eigenen Selbstportrait.

Neue Plattform bietet Übersicht über mobile Bezahlmöglichkeiten
Ob der vielen technischen Neuerungen und hohen Anzahl an Akteuren ist es nicht leicht, die Übersicht über technologische Entwicklungen beim Bezahlen zu behalten. Die von der PSA Payment Services Austria gemeinsam mit Partnern betriebene Plattform www.futurepayment.at will genau dies bieten: Sie beschreibt neue, für Österreich relevante Lösungen ebenso wie deren praktische Anwendungen, und informiert auch über Studien zum Zahlungsverhalten der Österreicher.
Denn eines scheint trotz des sehr konservativen Bezahlverhaltens der Österreicher gewiss: Auch wenn Bargeld in absehbarer Zeit wohl nie ganz verschwinden wird – das Smartphone wird die moderne Brieftasche der Zukunft. Denn einerseits ist damit das Bezahlen so einfach, schnell und sicher, wie mit keinem anderen Zahlungsmittel. Und: Kein anderes technisches Gerät ist weltweit so stark verbreitet. So meinte Björn Hoffmeyer, Deutschland-Chef des Kreditkartenunternehmens American Express gegenüber der FAZ: „Global gibt es 3,8 Milliarden Zahnbürsten, aber vier Milliarden Smartphones.“

Verfasst von
Rainer Seebacher ist freier Journalist mit Hang zu digitalen Themen.

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