MWC: Top-Hersteller präsentieren ihre Smartphones

23. Februar 2016 /

Jedes Jahr im Februar versammelt sich die Telekommunikationsbranche zum alljährlichen Stelldichein in Barcelona. Auf der für die Branche mit Abstand am wichtigsten Veranstaltung des Jahres haben sich heuer 94.000 Besucher bei den über 2.000 Ausstellern über die neuesten Geräte und Services informiert. Schon seit einigen Jahren ist es Tradition, dass die großen Smartphonehersteller – mit Ausnahme von Apple – auf dem Mobile World Congress in Barcelona ihre neuen Flaggschiffe präsentieren. Die heurige Auflage ist da keine Ausnahme.

Die erste große Ankündigung des MWC 2016 war dem chinesischen Hersteller Huawei vorbehalten. Mit dem 2 in 1 Gerät Matebook (ein Hybridgerät aus Tablet und Notebook mit Stylus) will der aufstrebende Konzern aus Fernost mit hochwertiger Hardware vor allem dem iPad Pro Konkurrenz machen. Die spektakulärste Produktvorstellung war bei Samsung zu sehen. Die Koreaner präsentierten nicht nur Facebook-Gründer Mark Zuckerberg auf der Bühne um eine Partnerschaft zwischen den Unternehmen vorzustellen, sondern auch die beiden neuen Highend-Smartphones Galaxy S7 und Galaxy S7 Edge. Über 6.000 geladene Gäste konnten sich mit Virtual Reality Brillen von den neuen Features der beiden Geräte überzeugen. Das sind die Smartphone-Highlight des MWC 2016:

Samsung S7 und S7 Edge
Die wohl bemerkenswertesten Neuerungen bei den beiden Geräte ist der verbaute Octacore-CPU Snapdragon 820, der bis zu 30 Prozent schneller sein soll als sein Vorgänger sowie die neue Kamera. Hier hat Samsung frei nach dem Motto weniger ist mehr das jahrelang Wettrüsten bei den Pixeln für beendet erklärt und dafür mit der Dual Pixel-Technologie einen großen Schritt nach vorne gemacht. Beide Geräte haben „nur“ noch 12 statt 16 Megapixel wie beim S6. Pro Pixel kommen allerdings zwei statt wie bisher nur eine Fotodiode zum Einsatz. Die Fotos erreichen damit nicht nur eine deutlich höhere Qualität, auch der Autofokus stellt deutlich schneller scharf als noch beim S6.

Samsung hat auch auf die Kritik der User reagiert und beiden Geräten einen Micro-SD Slot spendiert, der den Speicher um bis zu 200GB erweitern kann. Das Super-AMOLED Display des S7 hat wie sein Vorgänger 5,1 Zoll, das S7 Edge bietet 5,5 Zoll. In Österreich kommen beide Geräte mit 32GB fest verbautem Speicher auf den Markt. Die Akkus verfügen über 3.000mAh (S7) beziehungsweise 3.600mAh (S7 Edge) und sollen deutlich länger halten als noch beim S6. Beide Geräte sind wasserdicht und können 30 Minuten in 1,5 Metern Tiefe unbeschadet verbringen. Als Betriebssystem kommt Android 6.0 Marshmallow zum Einsatz.

Auch nicht unwesentlich: Wer das S7 oder S7 Edge noch vor dem Verkaufsstart am 11. März vorbestellt, bekommt eine Virtual Reality Brille von Samsung kostenlos dazu. Die unverbindliche Preisempfehlung für das Galaxy S7 liegt bei 699 Euro, bei Galaxy S7 Edge sind es 799 Euro. Beide Geräte sind bei T-Mobile erhältlich. Nähere Informationen zur Vorbestellung finden sich hier.

Sony Xperia X
Sonys neues Smartphone Flaggschiff heißt Xperia X. Es tritt die Nachfolge der Z-Serie an und hat einen 5 Zoll-Bildschirm. Herzstück ist aber wie bei Samsungs Topmodellen auch hier die Kamera mit 23 Megapixeln und prädiktivem Autofokus, der aus der Geschwindigkeit und Richtung der Bewegung die nächste Position errechnet und so möglichst schnell scharfstellen soll. Der Akku verfügt über 2.620mAh und soll laut Angaben von Sony zwei Tage durchhalten. Wie bei Sony schon länger üblich hat auch das Xperia X einen MicroSD-Slot für bis zu 200GB. Sonys Topmodell wird mit Android 6.0 Marshmallow ausgeliefert und dürfte ab Ende Mai in Österreich bei T-Mobile erhältlich sein.  Die empfohlene Preisempfehlung liegt bei 600 Euro. Gleichzeitig wurde auf dem MWC mit dem Xperia XA ein Modell aus dem Mittelklassebereich vorgestellt, das mit 300 Euro die Hälfte kosten soll.

LG G5
Mit einer Fülle an Zubehör und Peripheriegeräten wird das Topmodell G5 von LG auf den Markt kommen. Im Gegensatz zu den Topmodellen von Samsung und Sony kann der Akku beim G5 gewechselt werden. Auch bei der Kamera hat sich LG einiges einfallen lassen. Auf der Rückseite des Gerätes befinden sich zwei Objektive, eines mit 16 Megapixel und eines mit 8 Megapixeln. Mit Hilfe eines eigenen Kameramoduls kann der User zwischen den beiden Objektiven wechseln. Das Kameramodul verfügt auch über einen Auslöser und einen Aufnahmeknopf für die Videofunktion. Das IPS-Display hat 5,3 Zoll, im Inneren arbeitet ein Snapdragon 820 CPU. Der Arbeitsspeicher beträgt 4 GB, der interne Speiche r32 GB. Einen Steckplatz für MicroSD-Karten gibt es auch. Der Akku des G5 hat eine Leistung von 2.800mAh, über die Laufzeit wurde bei der Präsentation keine Angaben gemacht. Ausgeliefert wird das G5 mit Android 6.0.1 mit einer eigenen LG-Benutzeroberfläche.

Zum umfangreichen Zubehör gehören unter anderem eine Virtual Reality Brille und der Rolling-Bot, also ein ferngesteuerter Ball mit eingebauten Kameras. Zu Preisen und Verfügbarkeiten wurden in Barcelona hingegen keine Angaben gemacht.

25 Jahre Emporia
Der österreichische Hersteller Emporia, bekannt für Featurephones und Smartphones für ältere Semester, hat in Barcelona sein 25jähriges Bestehen gefeiert und zwei neue Geräte vorgestellt. Wie Emporia mitgeteilt hat, wurde dabei besonders darauf geachtet, Feedback und Wünsche von Kunden einzubeziehen. Das Featurephone emporiaCLASSIC legt sein Hauptaugenmerk auf Sprache und Text und ist für jene Kunden, die einfach nur telefonieren und gelegentlich ein SMS schrieben wollen. Das emporiaCOMFORT hat einen großen Bildschirm mit großen tasten und eine hochauflösende Kamera, das vor allem mit dem nutzerfreundlichen und von den Kunden gewünschtem Klappmechanismus überzeugen soll.

Beide Geräte sind mit einem Notrufsystem ausgestattet, das im Falle der Aktivierung fünf aufeinanderfolgende Nummern wählt, bis ein Ansprechpartner antwortet. Beide Geräte können laut Emporia auch als Zweitgerät verwendet werden, wenn User ihr Smartphone nicht bei sich tragen wollen. Laut Untersuchungen von Emporia besitzen drei Viertel aller über 65-jährigen ein Featurephone. In dieser Altersgruppe haben auch fast ebenso viele Menschen gar kein Mobiltelefon, wie es Smartphonebesitzer gibt. Emporia sieht somit jede Menge Potenzial für Wachstum.

Smartphone-Flut
Neben den bekannten Herstellern haben beim MWC vor allem unzählige asiatische und hier vor allem chinesische Hersteller ihre Smartpohne-Modelle präsentiert. Obwohl sie meisten dieser Geräte wohl nie ihren Weg nach Österreich finden werden, wird es doch spannend sein zu beobachten, wie sich der Smartphone-Markt in den nächsten Jahren verändern wird. Die Hardware der meisten dieser Geräte wird immer besser und auch die Preispunkte sind deutlich niederer als etwas bei Samsung, LG, Apple oder Sony. Ein Ende des Smartphone-Booms ist auf jeden Fall nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: Erste Demos vom LTE-Nachfolger 5G versprechen in naher Zukunft deutlich schnellere Downloads und noch mehr Möglichkeiten, das Smartphone in das tägliche Leben zu integrieren. Smart Home oder Smart Car sind absolute Zukunftsthemen, von denen man spätestens beim MWC 2017 sehr viel hören wird.

 

Verfasst von
Alex Wolschann ist Mitbegründer der Content-Agentur kontexte und ehemaliger Chefredakteur der Computerwelt.

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